Mittwoch, 20. August 2014

[Rezension] Serienunikat



- Klappenbroschur -

Autorin: Chantal-Fleur Sandjon
Verlag: script5

Erscheinungsdatum: 10. März 2014

ISBN-13: 978-3839001684
Seitenzahl: 320 Seiten
Reihe: nein

Preis: 14,95€
Hier erhältlich



> Sie hat die Nase voll. Von verstaubten Ansichten und den Erwartungen, dass ihre Zukunft eine ausgeblichene Version des Lebens ihrer Eltern sein soll – nur mit Facebook-Profil und Twitter-Updates auf den neuesten Stand gebracht. Hals über Kopf flüchtet die 20-jährige Ann-Sophie nach Berlin, 644 Kilometer weit von den Eltern entfernt und um 3,5 Millionen Einwohner größer als ihr Heimatkaff. Dort hofft sie herauszufinden, was sie vom Leben will. Doch wie macht man das in einer Welt der unendlichen Möglichkeiten ? <
Quelle: www.script5.de
 
Ann-Sophie hat keine Lust auf das spießbürgerliche Leben, das ihre Eltern und ihr Freund bereits für sie geplant haben. Die Apothekertochter will raus aus dem Kaff. Berlin erscheint ihr als gutes Ziel, denn Berlin ist nicht nur sehr weit weg, sondern auch eine Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten. Doch wie nutzt man diese Möglichkeiten, wenn man gar nicht weiß, was man eigentlich will ?

Als ihr auf einer Party eine "Anleitung zum Anderssein" zugesteckt wird, beginnt für Ann-Sophie die Suche nach sich selbst.
Eine Suche, auf der sie nicht nur jede Menge Erfahrungen, positive wie negative, macht und herbe Tiefschläge einstecken muss, sondern auf der sie auch über sich hinauswächst, neue Freunde findet und schließlich ganz bei sich selbst ankommt...

"Wir rasen unserem eigenen Atem hinterher dem Horizont entgegen und wünschen uns Flügel. Würden wir abheben, so wäre es nicht verwunderlich. Wir sind grün und digital, hoffnungsvoll und realistisch, Weltverbesserer und Weltenbummler, verliebt und verlebt, vernetzt und ungebunden, haben die Taschen voll unreifer Ideen und den Kopf voll einstürzender Erwartungen unserer Eltern. Wir sind 100.000 Unikate – in Serie."

Nach einem etwas holperigen Einstieg kam ich recht zügig in der Geschichte an und gewöhnte mich an den andersartigen, aber wirklich erfrischenden, aber auch tiefgründigen Schreibstil der Autorin. Chantal-Fleur Sandjon schafft hier wahre Wortkunst, mit der sie mich an die Seiten fesseln konnte. Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, bei dem es mir morgens um 5 Uhr schwer fiel, doch endlich mal das Licht auszuknipsen.

Was dieses Buch neben dem Schreibstil so einzigartig und besonders macht, sind die Charaktere, insbesondere die WG-Bewohner. Sie sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen, eine Truppe verschiedener Menschen aus allen möglichen Bereichen des Lebens, die der Zufall zusammenführt und die zu einer Familie zusammenwachsen, obwohl sie auf den ersten Blick kein Stück zusammenpassen.

Ann-Sophie, deren Geschichte wir hier ( aus Ich-Erzähler-Sicht ) erleben dürfen, kommt aus einer Mittelstandsfamilie. Sie ist die "brave" Tochter, die sich bislang den Wünschen ihrer Apothekereltern gebeugt hat ohne zu wissen, was genau SIE eigentlich will, außer das heimische Nest verlassen und in der Großstadt zu studieren. Doch hier werden der anfangs noch etwas grauen, zurückhaltenden Protagonistin nicht nur von den Eltern Steine in den Weg gelegt, sondern auch von den Berliner Vermietern.
Als sie bei einem "WG-Casting" auf die extrovertierte Catchy trifft beschließen die beiden kurzerhand sich zusammen zu tun und gemeinsam nach einer Wohnung zu suchen. Dabei treffen sie wiederum auf Monk und auf Stefan.
Aus zwei wird vier und so finden sie irgendwann, vor Ablauf der von Anns Eltern gesetzten Frist, DIE Wohnung.

Zu den Charakteren bekommt man echt schnell einen Zugang.
Ann-Sophie, die auf der Suche nach sich selbst ist, und dabei eine Riesenveränderung an den Tag legt, die man wirklich nur bestaunen kann.
Monk der unverbesserliche Weltverbesserer. Er vertritt vehement seine Ansichten und sich nicht von seinem Weg abbringen lässt. Ich finde ein klitzekleines Stück von mir selbst in ihm wieder. Er wirkt auf mich so ein bisschen wie der WG-Papa, sorgt sich immer um das Wohl der anderen und vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit. Ich glaube, das auch Ann ihn genau deshalb so mag.
Catchy, die für die Mode lebt, erscheint total durchgestylt und etwas abgeklärt,  zeigt aber auch immer wieder mal ihre weiche Seite, das macht sie sehr sympathisch. Ich glaube sie ist unter all ihrem Make-Up viel schöner als sie selbst weiß.
Und zuletzt Stefan, der blasseste aller Charaktere dieses Buches, der auf mich immer, wenn er denn mal auftaucht, still und etwas neurotisch erscheint.

Was mich hier total begeistert hat, ist, das die ganze WG, in Bezug auf Anns "Anleitung zum Anderssein" mit im Boot sitzt. Sie helfen ihr, geben ihr Ratschläge, Rückhalt, fangen sie auf und sind einfach da, wenn sie sie braucht. Sie schmieden gemeinsam mit Ann Pläne für die Umsetzung der einzelnen Punkte, entwickeln abgefahrene Ideen, das ist wirklich toll zu lesen, vorallem da nicht immer alles einfach so glattgeht, sondern manches eben auch total verquer läuft. Ich wäre am liebsten direkt eingezogen und hätte mitgemischt. ;)

Natürlich verläuft Ann's Suche nach sich selbst nicht nur rosig. Es gibt diverse Rückschläge und ganz besonders derbe Abstürze. Sie verliert sich, denkt sie kann den Druck und den Stress der auf ihr lastet, mit Alkohol und Drogen kompensieren, aber der Schuss geht natürlich voll nach hinten los.
Doch auch hier reichen die Freunde ihr die helfende Hand, was aufgrund deren eigener Beziehung zu Drogen einen etwas bitteren Beigeschmack bei mir hinterlässt. Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt, denn ich finde, das mit dem Thema hier etwas zu locker umgegangen wird.

Das Ende ist superschön und vorallem sehr stimmig. Kein Stück verkitscht oder etwa an den Haaren herbeigezogen, sondern schlicht und einfach gehalten, lässt es mich zufrieden zurück.

Da die Thematik des Abnabelns und der Selbstfindung zu jeder Zeit aktuell ist/war, würde ich dieses Buch sicher nicht nur jungen Lesern empfehlen.

Wir alle standen schließlich in unserem Leben an dem Punkt, an dem wir keinen Bock mehr hatten, die Wünsche der Eltern zu erfüllen, an dem wir das Leben spüren und unsere eigenen Erfahrungen machen wollten. Dabei ist es völlig wurscht ob wir in den 80ern, 90ern oder im Hier und Jetzt aufgewachsen sind. Einziger Unterschied: Damals gab es weder Handy's, Facebook, noch Twitteraccounts, was es unmöglich machte, all unsere Erfahrungen mit der Welt zu teilen.
Wir habens aber trotzdem überlebt und sind heute eigenständig denkende Menschen, mit uns selbst im Reinen. Wir wissen was wir wollen und haben gefunden wonach wir suchten.

Ich glaube dieses Buch könnte mein persönliches "Book of the Year" werden.

"Serienunikat" ist ein herausragender Debütroman, der mich mit seinen originellen, wundervollen Charakteren, einer allzeit zeitgemäßen Thematik und einem frischen, kreativen Schreibstil total begeistern konnte !!!
Ich möchte dieses Buch nicht nur "jüngeren" Lesern dringend ans Herz legen. 



Kommentare:

  1. Hm, die erste positive Rezension, die ich dazu sehe... :/ Ich habe es auf dem SuB, aber andere haben es wirklich schlecht gemacht... Aber wenigstens fandest du es gut, vielleicht werde ich damit ja warm! :)

    Liebe Grüße
    Tabea
    Im Kopf eines Bookaholic

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  2. Huhu,

    ich hab, nachdem ich meine Rezension geschrieben habe, auch andere gelesen und war erstaunt, das das Buch oft kritisiert wurde. Mir hat es wirklich sehr gut gefallen, ich hoffe du kommst gut in die Geschichte rein und hast Spaß beim lesen !

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