Freitag, 2. Januar 2015

[Rezension] Alle unter eine Tanne

 
- Broschiert -

Autor: Lo Malinke

Erscheinungsdatum: 20. November 2014

ISBN-13: 978-3810503961
Seitenzahl: 320 Seiten
Reihe: nein

Preis: 14,99€

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»Und den Kindern sagen wir es erst, wenn wir tot sind.«

Vor drei Jahren haben sich die Psychotherapeutin Elli (62) und der Arzt Robert (65) scheiden lassen, um mit neuen Partnern zusammenzuleben. Aber keiner von beiden hat es bisher über sich gebracht, den drei erwachsenen Kindern davon zu erzählen. Deshalb wird auch in diesem Jahr die alljährliche Weihnachtsfeier wieder mit der ganzen Familie im Elternhaus inszeniert – eine mittlerweile routiniert ablaufende Farce. Aber dieses Mal gerät der Plan ins Wanken. Roberts neue Partnerin, Chrissi, will das nicht mehr dulden und quartiert sich unangemeldet ein. Sie stellt ein Ultimatum: Bis zum Abendessen sollen die Verhältnisse geklärt sein.

Quelle: www.fischerverlage.de


Alle Jahre wieder trifft auch im Hause Berger-Vogts die ganze Familie ein um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Während die schon erwachsenen Kinder Leonie, Tobias und Sanna sich noch auf dem Weg ins elterliche Nest befinden, wirbelt Mutter Elli wie eine Verrückte durchs Haus und beseitigt die Spuren ihres neuen Lebens. Wo eben noch ein Bild von ihr und ihrem Partner Micha in Motorradkluft hing, findet sich nun ein Familienfoto, im Bad verschwindet die elektrische Zahnbürste und im Schlafzimmer halten Roberts alte, ausgelatschte Pantoffeln Einzug.
Ganze drei Jahre treiben Elli und Robert nun schon dieses Spiel, zum Wohle der Kinder, wie Elli meint. Denn obwohl sie sich vor drei Jahren haben scheiden lassen und seitdem mit ihren neuen Partnern zusammenleben, haben sie es noch immer nicht geschafft ihren Kindern endlich die Wahrheit zu sagen.
Doch in diesem Jahr soll sich das ändern, denn Chrissie, die neue Frau an Roberts Seite quartiert sich kurzerhand unangekündigt in Ellis Haus ein und ist fest entschlossen ein für alle Mal reinen Tisch zu machen. Und auch Micha, Ellis deutlich jüngerer Freund bleibt, denn auch er hat die Nase voll davon jedes Jahr das Feld zu räumen, nur weil Elli und Robert es nicht schaffen, über ihren Schatten zu springen...

Dank des dunkelblaugrünen Covers, seiner kurvig schrägen Schrift, dem rieselnden Schnee und den glänzenden Kugeln, fiel mir "Alle unter eine Tanne" in der Buchhandlung direkt ins Auge und das obwohl ich wahrlich keine Freundin von Weihnachtslektüre bin, da mir diese in den meisten Fällen entweder zu verkitscht oder aber einfach viel zu unrealistisch ist.

Da der Klappentext hier aber ankündigte, das Buch sei so ganz anders als alle anderen Weihnachtsromane, entschied ich mich, Lo Malinkes Debüt eine Chance zu geben.

Völlig unvoreingenommen machte ich mich ans Werk und muss sagen, das mich Lo Malinke inhaltlich voll und ganz überzeugen konnte. Mit "Alle unter eine Tanne" schafft er einen schonungslos ehrlichen Roman und zeigt auf wie es hinter der glatten und schönen Fassade einer scheinbar normalen Familie bröckelt und sich Risse durchs Mauerwerk ziehen. Da sitzt man gemeinsam am Tisch und spielt heile Welt, nur um sein Gesicht zu wahren und mit all seinen Lügen nicht aufzufliegen. Die reinste Farce.

Die Familie Berger-Vogts wird angeführt von Mutter Elli, die niemals Widerspruch duldet und wenn es sein muss, mit dem Kopf durch die Wand bricht, nur um ihren Willen zu bekommen. Ihre Kinder Tobias und Leonie hat sie von jeher verhätschelt und betüddelt, nur die Älteste, Susanna, ist ihr oft ein Rätsel, was, so denkt zumindest Vater Robert, daran liegt, das Susanna und Elli sich sehr ähneln. Elli und Robert haben sich nach und nach auseinander gelebt, die Kinder waren irgendwann aus dem Haus, die Eltern waren in ihrem Leben beide erfolgreich. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem es einfach nicht mehr ging. Man hatte sich nichts mehr zu sagen und während Elli davon träumte die Welt unsicher zu machen, war Robert damit beschäftigt, jeden Cent dreimal umzudrehen. Was folgte war die Trennung. Man verliebte sich neu, fand in Chrissie, beziehungsweise Micha, neue Partner mit denen man plötzlich seine Interessen teilen konnte und aufblühte.

Alles nicht schlimm, ein normaler Hergang, wie er in den besten Familien vorkommt. Doch Elli kriegt die Kurve nicht. Sie hat Angst davor, wie die Kinder auf den neuen Partner reagieren könnten und statt ihnen einfach die Wahrheit zu offenbaren und zu ihrer Entscheidung zu stehen, führt sie alle weiter an der Nase herum und inszeniert zum dritten Mal dieses lächerliche Fest, bei dem sie sich immer weiter in ihrem Lügennetz verstrickt, bis sie endgültig auffliegt. Doch nicht nur Elli und Robert haben Geheimnisse, auch die Kinder haben einiges zu offenbaren.

Lo Malinke hat mit seinen Protagonisten wirklich sehr charakteristische, authentische Personen erschaffen, in die man sich, Dank der Perspektivenwechsel gut hineinversetzen kann.

Was mir nicht so gut gefallen hat, und das ist leider auch der Grund, warum ich diesem Roman einen Punkt abziehen muss, waren die Klammersätze. Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, doch der Autor neigt dazu, zu viele Gedankengänge in Klammern fortzuführen oder Dinge in Klammern zu erklären. Das bringt den Lesefluß immer wieder ins Stocken und ging mir ab einem gewissen Zeitpunkt leider auch richtig auf die Nerven.

Das Ende ist schön rund, zufriedenstellend, realitätsnah und kommt ohne jegliche Spur von Kitsch aus.


"Alle unter eine Tanne" ist ein unterhaltsamer Weihnachtsroman, der ohne jegliche Art von Kitsch daherkommt und durch seine ehrliche Handlung und starke Protagonisten bei mir punkten konnte. Ein gelungenes Debüt ! Ehrlich, Authentisch, Amüsant !


1 Kommentar:

  1. Liebe Ina,
    danke ♥ liegt auf meinem elektronischen SuB und wird mal vorgekramt :)
    Liebste Grüße
    ClauDia

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