Sonntag, 17. Mai 2015

[Rezension] Du bist das Gegenteil von allem

 
- Gebunden - 

Verlag: cbt

Erscheinungsdatum: 30. März 2015
Originaltitel: 34 Pieces of You

ISBN-13: 978-3570161586
Seitenzahl: 384 Seiten
Reihe: nein

Preis: 16,99€

Kaufen ? >KLICK<


Die 16-jährige Ellie hatte etwas Besonderes an sich. Etwas Dunkles, Charismatisches, Gebrochenes … Jetzt ist sie tot. Gestorben an einer Überdosis Tabletten. Zurück bleiben ihr Bruder Jake, ihre beste Freundin Sarah und deren jüngere Schwester Jess – und vierunddreißig Zettel von Ellie in einem Schuhkarton. Vierunddreißig Hinweise, die Ellie hinterlassen hat. Vierunddreißig Geheimnisse eines viel zu kurzen Lebens voller Schmerz. Auf der Suche nach dem Warum müssen sich Jake, Sarah und Jess nicht nur ihren eigenen Abgründen stellen, sondern auch dem, was Ellie so lange vor ihnen verborgen hat …
Quelle: www.randomhouse.de 

Ellie ist gerade einmal 16 Jahre alt als sie stirbt. An einer Überdosis Tabletten. War es Absicht oder einfach nur ein Unfall ?
Diese Frage müssen sich ihre beste Freundin Sarah, deren Schwester Jessie und Ellies Bruder Jake nun stellen. Und auch der Frage, ob sie es hätten verhindern können... 

Das Cover ist ein zerknülltes und wieder glatt gestrichenes Stück Papier, das gut zu den im Klappentext erwähnten vierunddreißig Zetteln passt. Der Titel ist groß aufgedruckt und somit auffällig. Der Klappentext ist ansprechend und weckt in mir die Erwartung an einen Jugendroman ähnlich Jay Ashers "Tote Mädchen lügen nicht". Ich dachte es ginge hier vielleicht um kleine Botschaften, darum das Ellie bewusst 34 Zettel an ihre Freunde hinterlässt, die diese zu ihren Geheimnissen führen und unter Umständen auch schreckliche Dinge aufdecken. 

Ich wurde überrascht, denn "Du bist das Gegenteil von allem" ist ganz anders. 

Erzählt wird die Geschichte aus drei Perspektiven, von Sarah, Jessie und Jake und zu verschiedenen Zeiten. Es gibt immer wieder Rückblenden auf das DAVOR, dann gibt es Einblicke auf den Zeitpunkt unmittelbar vor der verhängnisvollen Nacht und es gibt das DANACH, das einen Großteil der Geschichte ausmacht. Jedes Kapitel beginnt zudem mit einem kleinen Zettel, vierunddreißig insgesamt, die von Ellie selbst stammen.

Diese Zettel sorgten bei mir für ordentlich Verwirrung, weil sie nicht wirklich zu den nachfolgenden Kapiteln passten und oft völlig aus dem Zusammenhang gerissen wirkten. Auch der Einstieg in die Geschichte selbst war etwas schwierig, da man direkt am Anfang mit zu vielen verschiedenen Personen und Zeiten konfrontiert wird und erstmal ein bisschen sortieren muss.

Nach wenigen Kapiteln liest sich das Buch aber überraschend leicht, auch wenn ich sagen muss, das die Stimmung auf mich immer erdrückender wirkte, was zum großen Teil an der Thematik liegt.
Ellie sind in ihrem Leben schon wirklich richtig schlimme Dinge widerfahren. Sie ist gebrochen, fühlt sich einsam und unsichtbar, ist depressiv, ritzt sich. Doch statt sich jemandem anzuvertrauen, versteckt sie ihre wahren Gefühle hinter einer rebellischen Fassade, sie buhlt auf sehr negative Art und Weise um Aufmerksamkeit, die ihr Umfeld schlicht als Rebellion abtut.

Ihre Mutter ist Alkoholikern, zum vierten Mal verheiratet, der leibliche Vater hat nur wenig Kontakt zu seinen Kindern. Einzig ihr großer Bruder Jake ist Ellie ein Halt. Als der jedoch nach New York zieht um zu studieren, bricht für Ellie alles zusammen.
Sie klammert sich an ihre beste Freundin Sarah und als diese immer mehr Zeit mit ihrem Freund verbringt, schließlich an Jessie, mit der sie eine Art Beziehung eingeht. Doch auch die beiden lässt sie nicht hinter ihre coole Fassade blicken.

Und auch wenn ihre Freunde doch immer wieder seltsame Dinge an Ellie bemerken bleiben sie tatenlos. So lange bis es plötzlich zu spät ist. Als Ellie die Tabletten schluckt, mit Absicht oder auch nicht, ist Sarah bei ihr, nimmt selbst eine Überdosis, überlebt aber und muss sich nun mit der Frage beschäftigen ob sie es hätte verhindern können. Dies sind auch die Gedanken, die Ellies Bruder Jake schwer belasten. Jessie kämpft ebenfalls aus wieder anderen Gründen mit dem Verlust. Sie alle gehen dabei besorgniserregende Wege. Sie fallen, verständlicherweise, in ein tiefes Loch, das Lethargie, Depression und Bulimie mit sich bringt und aus dem sie sich nur sehr langsam und schwer herausarbeiten können.

Carmen Rodrigues versucht hier viele verschiedene ernste Themen unter einen Hut zu bringen. Es geht zum einen um Trauerbewältigung, darum wie verschiedene Menschen mit solch einer Situation ganz unterschiedlich umgehen.
Es geht um Wut und Angst, die uns manchmal zu ganz schrecklichen Entscheidungen antreibt.
Und sie versucht vor allen Dingen eine Botschaft an Jugendliche auszusenden, nämlich diese, das man nicht alleine ist und man seine Probleme niemals alleine lösen muss. Es gibt immer Hilfe. Bei mir ist diese Botschaft angekommen, allerdings zweifle ich, das sie auch bei einem schwer depressiven, verunsicherten Teenager ankommen würde oder ob der lieber an den Stellen hängenbleibt bei denen es ums Ritzen oder um Selbstmordgedanken geht. Auch Bulimie spielt hier eine Rolle, die für meinen Geschmack nicht genug Aufmerksamkeit bekommt.

Was mich wirklich total gestört hat ist, das es in dieser Geschichte auch tatenlose Erwachsene gibt. Die sind ohne Zweifel in ihrer eigenen Trauer gefangen, haben selbst Probleme und fühlen sich hilflos, aber herrje, sie haben doch eine Verantwortung. Ich hatte vorallem recht oft das Verlangen Sarahs und Jessies Mutter anzuschreien und sie darauf aufmerksam zu machen, wie sehr sich ihre Töchter verändern und das SIE jetzt endlich handeln muss.

Für mich hat Carmen Rodrigues die Geschichte nicht hundertprozentig überzeugend umgesetzt. Mir blieb die "positive Hilfe" für die Protagonisten, wie stationäre Therapien und Co. viel zu lange aus und der Blick auf die "negativen Dinge", wie eben das Ritzen war viel zu präsent.
Auch gestört hat mich, das man nie so wirklich erfährt was Ellie widerfahren ist, das ihr Leben so aus den Fugen gehoben wurde. Es gibt Andeutungen, man kann es sich denken und am Ende gibt es exakt einen Satz der die Vermutungen bestätigt, aber das wars. Es bleiben viele offene Fragen und Probleme die sich über das ganze Buch erstrecken, werden am Ende zu schnell zu einfach abgehandelt.

Der Grundgedanke der hinter "Du bist das Gegenteil von allem" steckt ist sehr gut. Carmen Rodrigues sendet mit ihrem Roman eine Botschaft, nämlich die, das es immer Hilfe gibt, wenn man sie nur haben will. Fraglich ist für mich jedoch, ob diese Botschaft bei Jugendlichen, die Zielgruppe dieses Romans sind, auch so ankommt.
Für mich ist die Geschichte leider nicht ganz rund, es bleiben zu viele offene Fragen und es gibt Probleme die zu einfach abgetan werden.

Depressive Menschen sollten von diesem Buch übrigens die Finger lassen oder es an einem wirklich sehr guten Tag lesen, denn es zieht einen für eine Weile ganz derb in den eigenen Abgrund. :(


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen