Sonntag, 7. Juni 2015

[Rezension] Vielleicht mag ich dich morgen

- Taschenbuch -

Verlag: Knaur

Erscheinungsdatum: 04. Mai 2015
Originaltitel: Here's Looking at you 

ISBN-13: 978-3426516478
Seitenzahl: 496 Seiten
Reihe: nein

Preis: 9,99€

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Wiedersehen macht nicht immer Freude. Schon gar nicht Anna, die nach 16 Jahren beim Klassentreffen mit genau jenem Typen konfrontiert wird, der ihr damals den Schulalltag zur Hölle machte. Damals, als sie noch die ängstliche, pummelige und so gern gehänselte Aureliana war. Wie wenig sie heute als schöne und begehrenswerte Frau mit dem Mädchen von einst gemein hat, wird klar, als James sie nicht erkennt. Er ist fasziniert von der schönen Unbekannten. Anna kann es kaum glauben und wittert ihre Chance: Endlich kann sie ihm alles heimzahlen. Beide ahnen nicht, wie sehr sie das Leben des anderen noch verändern werden. Nicht heute. Aber vielleicht morgen.

Eigentlich wollte Anna ihn nie wiedersehen: James Fraser. Der Junge in den sie als Teenager so unglaublich verliebt war und der sie zum Gespött der ganzen Schule gemacht hat. 
Doch dann trifft sie ihn 16 Jahre später unverhofft wieder. Ausgerechnet im Job, so das sie ihm nicht einfach aus dem Weg gehen kann, sondern gezwungen ist mit ihm zusammen zu arbeiten. Aureliana, die sich heute Anna nennt, ist nicht mehr das pummelige Mädchen von damals und so hat James keine Ahnung, wen er da vor sich hat. Das wäre die perfekte Gelegenheit um es ihm heimzuzahlen und ihn für die Dinge die er ihr angetan hat büßen zu lassen. 

Aber je mehr Zeit die beiden beruflich miteinander verbringen, desto mehr schwinden Annas Rachepläne. Sie gibt James eine Chance und es entsteht eine enge Freundschaft, bei der plötzlich auch noch ganz andere Gefühle im Spiel sind. Welche Auswirkungen wird es auf diese neue Beziehung haben, wenn die Vergangenheit ans Licht kommt ?

Hier war es einmal nicht das Cover, das mich dazu verleitet hat das Buch zu lesen, denn optisch finde ich das Ganze ehrlicherweise ziemlich unspektakulär. Zwar wirkt das Buch durch die pastelligen Farben sehr sommerlich und verspricht somit eine gewisse Leichtigkeit, aber dennoch konnte mich das Buch erst auf den zweiten Blick und durch Lesen des Klappentextes für sich gewinnen.

Mhairi McFarlane, von der ich bisher noch kein Buch gelesen habe, versteht ihr Handwerk absolut und fesselte mich direkt mit den ersten Seiten an die Geschichte. Man fühlt sich sofort wohl und hat das Bedürfnis immer weiterlesen zu wollen. Ihr Stil ist angenehm und überraschend humorvoll, womit ich so gar nicht gerechnet hätte. Die Dialoge zwischen den Protagonisten sprühen stellenweise nur so vor Sarkasmus und Witz, das ich wirklich einige Male lauthals loslachen musste. Aber sie versteht es auch mich durch die teilweise sehr ernsten Themen, die sie hier aufgreift, nachdenklich zu stimmen und mitfühlen zu lassen. Die Kombination aus beidem, gepaart mit Spannung und unvorhergesehenen Wendungen an den richtigen Stellen, hat das Buch für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht.

Anna ist eine großartige und sehr authentische Protagonistin. In ihrer Jugend litt sie unglaublich unter ihrem starken Übergewicht und den Hänseleien ihrer Mitschüler. Im Verlauf der Geschichte erfährt man immer wieder kleine Details aus ihrer Vergangenheit und kann nachvollziehen wie es ihr damit gegangen ist und welchen Weg sie hinter sich hat.
Heute, 16 Jahre später ist sie also zumindest optisch das krasse Gegenteil ihres damaligen Ichs. Sie ist schlank, sexy und trotz immer wiederkehrender Zweifel und Ängste meist ziemlich selbstbewusst, hat ein riesengroßes Herz, einen herrlich trockenen Humor und ist eine Koryphäe in ihrem Job. Nur mit der Liebe da klappt es einfach nicht, denn Anna wartet auf den Funken, auf diesen einen kleinen Moment in dem man erkennt, das ER der Richtige ist. Bisher hat sich jedoch noch nicht mal ein kleines Flimmern gezeigt. Doch sie gibt die Hoffnung nicht auf.
Unverhofft kommt schließlich oft.

In Annas Fall in Form von James Fraser, ausgerechnet. Zu Beginn hält man James wirklich für einen absoluten, von sich eingenommenen Schnösel, der schon als Teenager einfach nur unsympathisch war. Durch den Perspektivenwechsel den Mhairi McFarlane hier einsetzt, lernt man James jedoch besser kennen und hat einen Einblick in sein momentanes Leben. Und da siehts gerade alles andere als schön aus. Seine Frau hat ihn für einen Jüngeren verlassen und sein Job nervt ihn eigentlich total an. Als er auf Anna trifft, mit der er für ein berufliches Projekt zusammenarbeiten muss, hat er keine Ahnung wer sie ist und es dauert ziemlich lange bis es ihm dämmert.

Die Geschichte ist ein absolutes Gefühls-Auf-und-Ab und man wünscht sich einerseits das Anna James so richtig eins reinwürgt und ihn für die Vergangenheit büßen lässt, andererseits aber auch das sie zusammenkommen und glücklich werden. Hier macht es Mhairi McFarlane echt spannend, denn der Ausgang der Geschichte ist und bleibt bis zum Ende hin absolut ungewiss.

Mich hat Mhairi McFarlane mit "Vielleicht mag ich dich morgen" voll und ganz für sich gewinnen können. Ihr angenehmer, wirklich lustiger, aber auch ernster, emotionaler und nachdenklich stimmender Schreibstil, ihre authentischen Protagonisten und eine Handlung deren Ausgang bis zum Ende hin ungewiss bleibt, haben mir hier einige unterhaltsame und schöne Lesestunden beschert.

1 Kommentar:

  1. Hallo Ina,

    die Geschichte klingt wirklich toll. Vom cover her hätte es mich wohl auch nicht wirklich angesprochen. Allerdings was du schreibst klingt ganz nach meinem Geschmack.
    Danke für die schöne Rezension.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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