Freitag, 14. August 2015

[Rezension] Die Welt ist kein Ozean


- Klappenbroschur -

Autorin: Alexa Hennig von Lange
Verlag: cbt

Erscheinungsdatum: 27. Juli 2015

ISBN-13: 978-3570162965
Seitenzahl: 352 Seiten
Reihe: nein

Preis: 14,99€

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Ausgerechnet in einer psychiatrischen Klinik für Jugendliche will die 16-jährige Franzi ihr Schulpraktikum machen. Sie stellt sich das abenteuerlich und besonders vor – muss aber schnell erkennen, dass sie eine Welt betritt, in der die Normalität außer Kraft gesetzt ist. Hier trifft sie auf den 18-jährigen Tucker – und Tucker trifft sie voll ins Herz. Nach einem traumatischen Erlebnis spricht er nicht mehr. Tief in sich zurückgezogen, dreht er im Schwimmbad seine Runden, am liebsten unter Wasser, wo ihn keiner erreichen kann. Behutsam versucht Franzi, Kontakt mit ihm aufzunehmen. Als ihr das gelingt, steht sie vor einer schweren Entscheidung: Soll sie wie geplant für eine Zeit ins Ausland gehen? Oder dem Herzen folgen, das gerade erst wieder zu sprechen begonnen hat?
Quelle: www.randomhouse.de 
Die wohlbehütete Franzi entschließt sich für ein Zweiwöchiges Schulpraktikum in einer Berliner Kinder- und Jugendpsychatrie. Schon an ihrem ersten Tag begegnet sie Tucker Beer, einem Jungen der unter "totalem Mutismus" leidet und nonverbal kommuniziert. Tucker, der seine Zeit am liebsten im Wasser verbringt, weckt sofort Franzis Interesse und schon beim ersten Zusammentreffen spürt sie eine besondere Verbindung. Sie versucht Tucker aus der Reserve zu locken und sein Schweigen zu brechen, doch wird ihr das gelingen ?

Ich muss sagen, das ich nach dem kurzen Klappentext und einem ersten Blick auf dieses wunderschöne Cover, doch ziemlich bestimmte Erwartungen an das Buch hatte. Ich hatte mir eine schöne, authentische Liebesgeschichte erhofft, deren Fokus sich aber vorallem auf das Thema "psychische Krankheit" legt.

Nachdem der Einstieg aufgrund eines einfachen und leichten Schreibstils wirklich gut gelang, musste ich nach den ersten circa einhundert Seiten leider feststellen, das diese Geschichte und ich wohl keine Freunde werden. Wäre das Buch kein Rezensionsexemplar gewesen, dann hätte ich es, da muss ich ehrlich sein, sogar abgebrochen.

Woran lag das ? Nun, da gibt es mehrere Gründe.

Zum einen wurde ich mit Franzi nicht wirklich warm. Sie mag ein sympathisches und für ihre familiären Verhältnisse recht bodenständiges Mädchen sein, aber sie blieb für mich weitestgehend gesichtslos. Sie findet sich selbst recht unscheinbar, trotz auffälliger roter Locken und Sommersprossen, liebt ihr Klavier und träumt seit ihrer Kindheit von einem Auslandsjahr am Musikcollege in Australien. Als sie Tucker zum ersten Mal sieht, ist sie direkt Feuer und Flamme und hat das Bedürfnis mehr über den Grund seines Schweigens zu erfahren und ihn aus der Reserve zu locken. Sie verliebt sich Hals über Kopf und würde für Tucker sofort, nach 10 Tagen, ihren Lebenstraum aufgeben. Sie wirkt naiv und hat sich, obwohl sie das Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychatrie so unbedingt machen will, noch nie wirklich mit psychischen Störungen auseinander gesetzt. Warum also will sie ausgerechnet dort arbeiten ?

Tucker ist, natürlich, wahnsinnig gut aussehend, er liebt das Wasser und verguckt sich in Franzi. Leider kann ich über Tucker nicht sehr viel mehr sagen. Im Verlauf der Handlung erfährt man zwar einiges über den Grund seines Schweigens, aber ansonsten bleibt er ein recht blasser Charakter, der im letzten Drittel plötzlich, wie durch ein Wunder geheilt wird und quasselt wie ein Wasserfall. Was ist mit einmal mit dem schüchternen Jungen passiert ? Mit einmal ist er zu Scherzen aufgelegt, macht einen verschmitzten Eindruck und von seinen Problemen ist keine Spur mehr zu entdecken.

Wer mir richtig auf den Keks ging, war Franzis beste Freundin Nelli, die sie permanent Miss Franziska nennt, keiner weiß wieso, erklärt wird es auch nicht. Nelli war mir auf Anhieb richtig unsympathisch, man hat das Gefühl das sie immer im Mittelpunkt stehen muss, tut sie dies nicht, dann zickt sie rum. Außerdem ist sie wie Franziska in Bezug auf "psychisch Erkrankte" absolut naiv, für sie sind das alles nur Freaks. Man sollte meinen, das Mädchen mit 17, die noch dazu ein Gymnasium besuchen und später, in Nellis Fall, doch recht hoch angesehene Berufe anstreben, ein bisschen schlauer und weniger von oben herab sind.

Ein weiterer Minuspunkt, der wohl Größte überhaupt, war für mich jedoch Alexa von Hennigs Umgang mit dem Thema "psychische" Erkrankung. Ein sensibles Thema auf das die Autorin für meinen Geschmack absolut gar nicht eingeht oder es im Fall von Tucker nur oberflächlich ankratzt.
Zwar erwähnt sie einzelne Krankheiten wie Bulimie und biporale Störung, aber das wars dann leider auch schon.
Wirklich wütend gemacht hat mich eine Stelle, bei der es um Bulimie ging. Sie lässt ein junges Mädchen einfach sterben, weil das Mädchen das so will. Hallo ? In einer psychatrischen Klinik !!! Da gibt es weder Ärzte noch Therapeuten die so etwas einfach zulassen würden. Wäre ich ein Teenager, würde das auf mich durchaus wirken, als wolle mir die Autorin suggerieren, das es in Ordnung ist einfach aufzugeben. Das fand ich einfach nur unmöglich. Wesentlich sinnvoller wäre es hier gewesen, einen Appell an die Jugendlichen, auf die dieses Buch ja nun mal ausgelegt ist, zu senden, das es immer Hilfe gibt und man nicht aufgeben soll. Der Schuß ging also deutlich nach hinten los und der Drang in mir das Buch an die Wand zu werfen, war in diesem Moment übermächtig.

Die Handlung plätschert so vor sich hin, ohne das groß etwas passiert. Wir begleiten Franziska mehr in ihrem Alltag als in der Klinik, müssen ihre negativ eingestellte Freundin Nelli ertragen, die nur Sex und Jungs im Kopf hat und sich über ihren Vater ärgert, der sie und die Mutter verlassen hat. Nebenbei erfahren wir einiges über Franzis Überfliegerschwester Sina und deren Freund, den die Familie erst dann leiden konnte, als er der Mutter das Leben gerettet hat, was die Familie für mich in ein fragwürdiges Licht rückt. Die Liebesgeschichte zwischen Franzi und Tucker entwickelt sich merkwürdig und ist für mich nicht nachvollziehbar.

Ich habe wirklich wirklich versucht diesem Buch eine Chance zu geben, meine Erwartungen nach unten zu schrauben, Franzi zu mögen und über den Fauxpas mit der Bulimie hinweg zu sehen, aber am Ende ist es mir einfach nicht gelungen an diesem Werk auch nur irgendetwas Positives zu finden, was mir für die Autorin wirklich leid tut, denn schließlich steckt in jedem Buch eine Menge harter Arbeit.

Alles in allem ist "Die Welt ist kein Ozean" eine wirklich seichte, nicht besonders gut durchdachte Liebesgeschichte, die mit dem Thema "psychische Erkrankung" nicht sonderlich viel zu tun hat. Mich hat das Buch auf ganzer Linie enttäuscht und stellenweise sogar richtig erzürnt.
Für das ansprechend gestaltete Cover und den leichten Schreibstil vergebe ich

Kommentare:

  1. Oh oh! Das hört sich ja gar nicht gut an :( Ich bin schon so oft an dem Buch vorbeigekommen, dass ich mich irgendwann dazu durchringen konnte, den Klappentext zu lesen. Da ist das Buch sofort auf meine WuLi gewandert. Aber oberflächlicher Charaktere, gerade in Büchern mit solchen Themen, sind für mich ein No-Go!! Schade.. hätte wirklich interessant sein können.
    Alles Liebe
    Henny von bellezza-ribelle

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  2. Man sollte ja immer denken, dass gebildete 17jährige klüger wären, die traurige Wahrheit ist aber, dass es auch hier genug hohlköpfige Dumpfnasen gibt, die nicht weiter als bis zur eigenen Nasenspitze sehen können (und auch mit 30 genau dieselben hohlen Dumpfnasen bleiben...). Sorry. Musste das mal aus persönlicher Erfahrung rauslassen :D

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  3. Hey Ina,
    da ist das Buch mit deinen zwei Cupcakes ja noch recht gut bedient. Ich finde, du hast deine Meinung und deinen Unmut super gut dargestellt. Ich habe bisher nur gute Bewertungen über das Buch gehört. Kann deine Sicht aber dank deiner Worte recht gut verstehen und ich glaube, bei mir würde eine ähnliche Bewertung herauskommen. Gerade Oberflächlichkeiten und Herunterspielen von Tatsachen kann ich bei Büchern mit solch ernsten Themen absolut nicht leiden.

    Also vielen Dank für deine offenen Worte :)

    LG
    Janine ♥

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