Donnerstag, 6. August 2015

[Rezension] Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe

- Taschenbuch -

Autorin: Anna Stein
Verlag: Knaur

Erscheinungsdatum: 1. Juli 2015

ISBN-13: 978-3426516584
Seitenzahl: 272 Seiten
Reihe: nein

Preis: 9,99€

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Charlotte Kubitschek ist 34 und glaubt nicht an die Liebe. Sie braucht keinen Mann für alle Lebenslagen, sondern nur für die eine, die man im Bett einnimmt. Wenn sie die Männer morgens in Boxershorts aus ihrer Berliner Wohnung schiebt, fühlt sich ihre 94-jährige Nachbarin Elise bestätigt: »Dat Frollein Kubitschek hat keen Charakter.« Charlotte hingegen nennt die meckernde Alte nur „die fiese Elise“. Als das Haus luxussaniert werden soll, müssen sich die beiden Streithähne zusammenraufen, um sich gegen ihren Vermieter zu verbünden. Schon bald bemerken sie, dass sie nicht nur die Liebe zum Swing teilen, sondern Elise verrät Charlotte auch ein Geheimnis, das ihr Leben für immer verändert. 
Charlotte Kubitschek und Elise Buffke sind echte Streithähne, die sich verbal nichts schenken. Doch als "Fettarsch" Sattkowski, Vermieter der Kehrbachstraße 5, plötzlich auf der Matte steht und den Damen zu verstehen gibt, das sie besser ausziehen, da das Haus luxussaniert und verkauft werden soll, sind sie sich einig: Sie müssen zusammenarbeiten um den Plan des Vermieters zu vereiteln.

Je mehr Zeit die "fiese Elise" und "die freche Göre" miteinander beim Schmieden von "varrickten" Plänen verbringen, desto mehr wachsen sie zusammen.
Sie entdecken nicht nur ihre gemeinsame Liebe zum Swing, sondern gewähren sich gegenseitig Einblicke in ihr tiefstes Inneres...

Meiner Vorliebe für Geschichten hinter langen, skurrilen Buchtiteln und auffälligen Cover habe ich dieses Debüt von Anna Stein zu verdanken, denn schon beim ersten Entdecken in der Knaur-Verlagsvorschau und dem Lesen des Klappentextes war mir klar, das ich dieses Buch unbedingt lesen muss.

Einmal angefangen wollte ich dann auch tatsächlich nicht mehr aufhören, denn obwohl das Buch nur 272 Seiten hat, schafft Anna Stein hier ein überraschend komplexes und unterhaltsames Werk. Ihr Schreibstil ist leicht und angenehm, spannend und auch emotional. Sie rüttelt mit ihren Worten eine Vielzahl an Gefühlen in mir auf und ließ mich am Ende sogar das ein oder andere Tränchen verdrücken.
Besonders gut gefallen hat mir Elises Berliner Schnauze, die auch ernste Dialoge immer wieder ein bisschen auflockerte.

Die Handlung ist ein buntes Potpourri verschiedener Themen.
Zunächst geht es nur um den Erhalt des Wohnhauses, für den sich die letzten drei Bewohner Charlotte, Elise und Juri zusammentun müssen. Das ist gar nicht so einfach, wo sich die beiden Damen doch so gar nicht riechen können. Juri, Betreiber eines kleinen Ladens in der Kehrbachstraße 5, versucht zwischen den beiden zu vermitteln. Bei ihren allabendlichen Planungstreffen zur Verhinderung der Sanierung wachsen die drei immer mehr zusammen.
Elise öffnet sich irgendwann, erzählt von ihrer bewegten Jugend während des Krieges und gesteht, das sie sich schon seit vielen Jahren sehr einsam fühlt.
Auch Charlotte fühlt sich irgendwie einsam, ihr Job an der Supermarktkasse, bei dem sie regelmäßig Männer für gewisse Stunden aufgabelt, kann nicht die Erfüllung sein und die Liebe macht ihr Angst. Zu viel Schmerz hat sie in ihrer Vergangenheit deshalb schon erdulden müssen, weshalb sie Gefühle erst gar nicht mehr zulassen möchte. Allerdings ändert sich das als Vermieter Sattkowski einen französischen Assistenten anschleppt. Zunächst trifft sich Charlotte nur mit Arthur um ihn über die Sanierungspläne auszuhorchen, doch irgendwann kommen doch Gefühle ins Spiel.

Ob es den drei "Neu-Freunden" gelingt Sattkowskis Pläne für die Kehrbachstraße zu vereiteln, ob aus Arthur und Charlotte was werden kann, was es mit Elises nächtlichen Streifzügen auf sich hat und was genau ein Überfall auf den Supermarkt mit der Geschichte zu tun hat ?
Das lest ihr am besten selbst nach :) 

Wie auch schon die Handlung, so sind auch die Charaktere sehr vielschichtig ausgearbeitet. So offenbart die "fiese Elise" zum Beispiel eine melancholische und zarte Seite. Ganz nach dem Motto "Harte Schale, weicher Kern" und hinter Charlottes zynischer, distanzierter Art verstecken sich Trauer und Verlustängste. Mit jeder Seite die man liest, wachsen die beiden Damen, sowie all die Nebencharaktere,mir als Leserin mehr ans Herz.

Das Ende ist weitestgehend rund, auch wenn ich mir hier definitiv noch einen Epilog gewünscht hätte.
Mit "Fräulein Kubitschek pfeift auf die Liebe" gelingt Anna Stein ein unterhaltsames und überraschend vielschichtiges, nachdenklich stimmendes Debüt, das von der ersten bis zur letzten Seite Freude macht.

1 Kommentar:

  1. Hach...das klingt einfach herrlich!
    Vielen Dank für deine Rezension. Das wandert gleich mal auf meine Wunschliste.
    Liebe Grüße und einen guten Start ins Wochenende :)

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