Freitag, 18. Dezember 2015

[Interview] Mathias Malzieu





Er ist Sänger, Songwriter, Filmemacher und ein großartiger Poet & Autor: 
Mathias Malzieu
Seit Erscheinung seines ersten Romans "Die Mechanik des Herzens" bin ich ein wirklich großer Fan seiner Werke und seiner speziellen und einzigartigen Art Geschichten zu erzählen. Dank der Unterstützung des carl's books Verlags wurde mir kürzlich die Ehre zuteil den Autor interviewen zu dürfen und genau dieses Interview möchte ich Euch heute präsentieren.

Viel Spaß !

Bildquellen: Cover der Bücher: www.randomhouse.de, Autorenporträt ©Jean-Marc Lubrano, Filmplakat: www.universumfilm.de, CD Cover: lepeupledurock.com

ÜBER DEN AUTOR

Mathias Malzieu, geboren 1974 in Montpellier, ist Frontmann der französischen Kultband "Dionysos" und hat bereits mehrere Bestseller geschrieben. Er ist ein Meister im Erfinden von einzigartigen romantischen Traumwelten. Die Mechanik des Herzens wurde zum internationalen Überraschungsbestseller.
Quelle: www.randomhouse.de


DAS INTERVIEW

Gerade ist hier in Deutschland ihr neuer Roman „Der kleinste Kuss“ der Welt erschienen.Darin geht es um einen Erfinder der auf eine Frau trifft die sein Herz heilen könnte. Das Problem ist, das diese Frau mit dem ersten kleinsten Kuss unsichtbar wird und er sie erst einmal wiederfinden muss.
Schlicht gesagt ( ich werde ihren Worten ohnehin nicht gerecht ) es geht um die Liebe, aber auch darum, das wir das Glück meist dort finden, wo wir nicht danach suchen.

Wie kam Ihnen die Idee zu diesem Roman ? 

Sie haben die Botschaft gut verstanden. Die Idee kommt fast immer, wenn ich etwas sehe und durch den erschafften emotionalen Einfluss, egal ob er gut oder schlecht ist. Es ist der hauptsächliche Nährboden meiner Bücher. Für diesen einen verließ ich eine sehr schlechte Pause und  ein paar Monate später traf ich ein so süßes und schüchternes Mädchen von dem ich „den Eindruck hatte, dass es unsichtbar sei“. Es hat mir Spaß gemacht mit dieser Erfindung meine Geschichte zu versüßen und ihr diesen sowohl schmackhaften als auch melancholischen Ton zu geben. In diesem Buch ist alles wahr. Alles ist passiert, wie ich es schreibe, mit einem bisschen Fantasie, was dazu dient, die Personen in den Situationen besser charakterisieren zu können.

Ihre Charaktere sind genial, aber schon auch ein wenig kurios. 
Elvis, der Papagei, der funktioniert wie ein altmodisches Aufnahmegerät. Jack, der Junge mit dem Kuckucksuhrherz. Sobralia, eine unsichtbare Frau. Wie kommt man auf solche Ideen ?

Haben Sie einen Lieblingscharakter ? Einen, bei dem Ihnen die Ausarbeitung ganz besonders viel Freude gemacht hat ? 


Meine Ideen funktionieren wie Bäume. Ihre Wurzeln sind schön im Boden und in der Wirklichkeit verankert, ihre Äste wachsen in den Himmel, im Bereich des Möglichen. Die Idee vom Papagei zum Beispiel ist mir, denkend an die magisch-spielerischen Methoden, die ein auf die außerordentlichen Geschäfte spezialisierter Detektiv benutzen könnte, gekommen. Ich habe die Idee des Spionen-Papageis geliebt, der fähig ist, Orgasmen großer Schauspielerinnen der 50er Jahre nachzuahmen und in den Dienst tritt, um das Mädchen zu finden, das mysteriöserweise verschwindet, wenn man es küsst.

Was Jack angeht, wollte ich seine Überempfindlichkeit (ein wenig die meine) mit einer Empfindlichkeit, sowohl wörtlich als auch bildlich auf Herzensebene, darstellen, die die Liebe für sein Überleben gefährlich macht.

Wie ich bereits über Sobralia sagte, sie ist eine sehr schüchterne Süße, so unscheinbar, sodass ein Kuss sie „verschwinden“ lassen könnte. Der Kuss als Mittel, welcher ihr Geheimnis und im richtigen Leben diejenige, die sich unter Sobralias Person versteckt – eine Geheimnis-Spezialistin – beseitigt.

Ich liebe sie alle wie meine imaginären Kinder!

Gigant Jack, der Schattenriese, der die Maschine meiner gebrochenen Träume reparieren wird, wenn ich den Trauerfall meiner Mutter nicht verarbeiten kann (im Buch „Maintenant qu'il fait tout le temps nuit“) ist ein bedeutender persönlicher und literarischer Auslöser.

Dies ist auch die Person die zu „Little Jack“ in „La mécanique du cœur“ wird.

Halten Sie mich ruhig für verrückt, aber diese Frage lässt mich nicht los und deshalb muss ich sie stellen: In „Der kleinste Kuss der Welt“ bewegt sich der Erfinder am liebsten auf dem Skateboard durch Paris. Auch in „Die Mechanik des Herzens“ gibt es eine Szenze mit Jack und einem Skateboard. Ist das Absicht oder Zufall ? Fahren Sie selbst ? Bewegen Sie sich so durch den Alltag ?


Ich skate jeden Tag. Am liebsten auf Longboards oder Cruisern. Ich liebe es dahinzugleiten. Die Gesichter der Menschen interessieren mich nicht, aber auf den Bürgersteigen von Paris entlangzufahren, die mich dahintragen bis zum Ende der Nacht, das lässt mich abschalten und erfüllt mich mit Vergnügen. Für mich sind das Entspannungseinheiten. Viele Ideen entstehen, wenn ich skate.

Ihre Werke sind sehr poetisch und magisch. Sie sind melancholisch, surreal, bieten reichlich Stoff zum Nachdenken und erinnern mich ein bisschen an die Kunst und die Filme von Tim Burton.
Sie entführen ihre Leser in eine Traumwelt, raus aus dem tristen Alltag und lassen in deren Köpfen Unglaubliches entstehen. Doch irgendwoher müssen auch Sie die Ideen dazu finden. Wer oder was inspiriert Sie ?


Ich habe Ihnen bereits weiter oben schon verraten: alles ist wahr. Es ist eine emotionale Autobiografie. Alles inspiriert mich, ein Buch, der Wind, eine Person, die Musik, Reisen, Filme… Das Arbeiten an Büchern, Liedern und Filmen zugleich, verstärkt meinen spielerischen Sinn. Alles was einer Erfahrung oder einem Abenteuer gleicht, es erschafft einfach alles einen Wunsch bei mir. Wie die Poesie erscheint, so nehme ich sie!
Die andere Seite der Welt oder die Apotheke nebenan… Das was mich antreibt ist widersprüchlich: es ist sowohl der Freiheitsgedanke als auch der Teilungsgedanke.

In ihren Romanen begegnen mir immer wieder Elemente des Steampunks, wie eben das Kuckucksuhrherz, aber auch die zahlreichen fantastischen Erfindungen aus „Der kleinste Kuss der Welt“. Wie sehr beeinflusst sie diese Ästhetik ? Sind sie selbst ein „Steampunk-Fan“ ?

Ja, die Seite der lebenden Maschinen, leibhaftigen Räderwerke, halbmenschlich/halbmetallischen Monster und die ganze ideenreiche Poesie, ergeben zusammen einen meiner ästhetischen Einflüsse, das ist wahr.

Die Cover ihrer Bücher werden von Benjamin Lacombe gezeichnet. Was verbindet Sie mit dem Illustrator ? Ist es der Stil seiner Zeichnungen, der ja unbestreitbar brillant und einzigartig ist oder hat sich die Zusammenarbeit einfach so ergeben ?
Haben sie bei den Cover ihrer Romane überhaupt ein Mitspracherecht oder kümmert sich der Verlag darum ?


Ich finde seine Arbeit außerordentlich talentiert, fein und vielsagend. Ich bin sehr glücklich und sehr stolz, dass er an meinen Buchcovern arbeiten kann. Das ist kein Zufall, wir schätzen uns seit Jahren. Es ist sehr inspirierend mit ihm zu arbeiten.

Diese Buchcover sind Überraschungen, Geschenke an das Buch an sich.

Es handelt sich im Allgemeinen um sanfte Beratung, insbesondere im Ausland. Wenn es Benjamin Lacombe ist, kann ich ruhig schlafen, denn ich weiß es wird wunderbar sein!

Bevor Sie ihren ersten Roman veröffentlicht haben, waren Sie ja, vorallem in ihrer Heimat Frankreich, schon sehr bekannt als Kopf der Band Dyonisus. Sehen Sie sich heute eher als Musiker oder als Schriftsteller ?

In erster Linie als ein Handwerker. Ein Erfinder wahrer Geschichten. Dazu gehören das Buchmedium – letztendlich - Konzert, Film, Musikvideo, Grafik… alles interessiert und begeistert mich. Ich lerne, ich entdecke . . . ich benötige einen starke Dynamik um kreativ zu funktionieren. Und alles nur um zu leben.

Welche Projekte dürfen wir in der Zukunft von Ihnen erwarten ?

Ein neues Buch in einer unveröffentlichen Form für mich: der Erfahrungsbericht/die Erzählung des Albums von Dionysos.

Ich bereite das Drehbuch meines zweiten Filmes vor und arbeite auch noch an einigen Überraschungen - hoffe ich!

Merci beaucoup, amicalement.

Merci beaucoup à vous!

 
BUCHINFOS & REZENSIONEN 



Die Mechanik des Herzens



 





Metamorphose am Rande des Himmels





Der kleinste Kuss der Welt

>Rezension<






Kommentare:

  1. Was für ein tolles Interview, Ina!!

    Selbst bei der Beantwortung der Fragen schwebt die Poesie mit. Einfach wunderschön!!

    Genau wie Du bin ich ja den Büchern von Malzieu verfallen. Und dank dieses Interviews noch a bisserl mehr. :-)

    Drück dich!! :-*

    Caro

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  2. Ein wirklich tolles Interview! Ich glaube, ich muss mir die Bücher mal ein wenig genauer angucken. :-)
    Liebe Grüße,
    Ira

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