Sonntag, 6. Dezember 2015

[Rezension] Abschied für immer und nie

- Gebunden -

Autorin: Amy Reed
Übersetzt von Maike Müller
Verlag: HarperCollins

Erscheinungsdatum: 10. November
Originaltitel: Invincible

ISBN-13: 978-3959670104
Seitenzahl: 304 Seiten
Reihe: nein

Preis: 16,90€

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Ein Leben außer Kontrolle. „Mal im Ernst, Evie, was haben wir schon zu verlieren?“ Was die krebskranke Evie noch will, ist eine letzte Reise. Noch einmal das Adrenalin in den Adern spüren. Noch einmal auf den Rat ihrer Freundin Stella hören: Lebe wagemutig. Aber die Flucht aus der Klinik wird alles verändern … Evie fällt es unsagbar schwer, in die Welt der Gesunden zurückzufinden. Bis sie Marcus trifft. In seiner Nähe fühlt sie sich lebendig. In seinen Exzessen, seinen fantastischen Höhenflügen. Nur ahnt sie nicht, dass sie nur einen Schritt vor dem Abgrund steht …
Das Cover finde ich ehrlicherweise ziemlich unspektakulär. Ich mag die Farbgebung, aber sonst finde ich es beinahe schon etwas langweilig. Es war hier definitiv der Klappentext der meine Aufmerksamkeit erregte.

Eigentlich ist Evie schon so gut wie tot. Sie leidet an einer seltenen Form von Krebs und gibt sich selbst vielleicht noch 14 Tage. Doch sie kommt damit klar, sie will nicht mehr kämpfen, denn sie weiß das sie diesen Kampf ohnehin nicht gewinnen wird. Ihre "Krebsfreunde" Stella und Caleb beschließen ihr einen letzten richtig spannenden Abend, fernab der Klinik und über den Dächern von San Francisco zu organisieren. Doch bei diesem Ausflug läuft irgendetwas ganz gewaltig schief und verändert Evies Leben radikal.

Sie wird gesund, muss zurück ins Leben finden, was ihr sichtlich schwer fällt. Sie verbarrikadiert sich in sich selbst, lässt kaum jemanden an sich heran und findet die ganze Welt einfach nur ungerecht. Dann lernt sie Marcus kennen, der "Fräulein Krebs" nicht kennt, kein Teil ihrer Vergangenheit ist und sie deshalb genau so nimmt, wie sie JETZT ist. Wenn sie mit ihm zusammen ist, dann blüht sie auf, doch zuhause rutscht sie immer mehr ab....

Amy Reed widmet sich hier nicht nur einem schlimmen Thema, sondern direkt mehreren, denn neben Krebs und Trauer spielen auch Drogen und Depressionen eine wirklich große Rolle. Sie löste mit diesem Roman eine ganze Kette verschiedenster Emotionen bei mir aus. Ein sehr präsentes Gefühl war zum Beispiel Zorn und Wut.

Erst war ich wütend, weil sowohl die Familie als auch die Freunde Evie bedrängen, sie tun beinahe so, als sei sie niemals krank gewesen. Evie fühlt sich einsam und ich würde ihre Umgebung am liebsten anschreien und sagen: "Seht ihr nicht, wie sehr sie sich verändert hat ? Seht ihr nicht, das sie nie wieder einfach zur Normalität zurückkehren kann ?"
Der Zorn wendet sich beim weiteren Lesen allerdings in eine andere Richtung und konzentriert sich irgendwann voll und ganz auf Evie, die ihr neues, ihr geschenktes Leben quasi einfach so wegwirft, sie experimentiert mit Drogen, stößt alle Menschen um sich weg, einzig an Marcus hält sie fest, doch den missbraucht sie meiner Meinung nach zu häufig als ihren persönlichen Drogenkurier, die Liebe die sie angeblich für ihn empfindet kam bei mir nicht an. Sie tut alles um ihr eigenes Leben zu ruinieren und fühlt sich dann ungerecht behandelt. Ihre Eltern greifen nicht durch, auch das hat mich wütend gemacht. Wäre Evie meine Tochter gewesen, ich hätte sie irgendwie versucht wachzurütteln, statt mich passiv zu verhalten, denn obwohl es ja durchaus Auseinandersetzungen gibt, ändert sich rein gar nichts. Evie rutscht immer weiter ab, fällt immer tiefer, so das sie sich sogar von Marcus abwendet und eine wirklich große Dummheit begeht. Es hat mich wahnsinnig gemacht, aber ebenso hat es mich auch gefesselt, ich musste einfach immer weiter und weiter lesen.

Amy Reeds Schreibstil ist durchweg flüssig, aber sehr nüchtern gehalten. So empfand ich beispielsweise nur wenig Mitleid mit der "kranken" Evie und ihrer Situation. Nicht weil es mich nicht berührt oder weil sie mir nicht leidgetan hätte, sondern einfach weil die Autorin die Situation perfekt beschreibt und wiedergibt. Wie soll man Mitleid mit einem Mädchen haben, das sich dazu entschließt zu sterben, statt erneut ein schmerzhaftes, aber hoffnungsloses Prozedere gegen die Krankheit über sich ergehen zu lassen ?! Statt mein Mitleid zu erregen, setzte Amy Reed mit ihrer Art und Weise dieses Thema zu behandeln, auf mein VERSTÄNDNIS. Und genau das hat sie bekommen. Statt einer rosaroten "Alles wird wieder gut Wolke", setzt Amy Reed auf Klarheit und Wahrheit. Und DAS war ein erfrischender Unterschied zu so vielen anderen Romanen mit gleicher Thematik.

Auch Evies Verhalten nach der Krankheit war für mich schon irgendwie plausibel, man spürt ihre innere Zerrissenheit mit jedem Wort, und Amy Reed hat ihre Gedankengänge nachvollziehbar geschildert, allerdings weiß ich nicht, ob sie mit ihren Handlungen nicht vielleicht ein bisschen über die Stränge geschlagen hat. Zwar hat mir auch hier gefallen, das eben nicht alles plötzlich "wieder gut" war, sondern Evie erstmal in ein ganz tiefes Loch fällt, aber ich hätte mir gewünscht, das sie sich durch die richtige Art von Hilfe da wieder raushangelt.

Das Ende. Ja puh, dafür hab ich kaum Worte. Zunächst dachte ich, ich hätte vielleicht ein Exemplar erwischt, bei dem die letzten Seiten fehlen. Nein, habe ich nicht. Es endet tatsächlich genauso und ich weiß nicht, ob es das Wissen, das ich nun ein komplettes Exemplar gelesen habe, besser oder schlechter macht, denn das Ende ist sowas von offen und ich habe jetzt jede Menge Zeit mir zu überlegen, ob die Geschichte gut oder schlecht ausging. Schön das die Autorin ihren Lesern so viel Spielraum für eigene Gedanken lässt, aber auch irgendwie blöd. Gerade hier hätte ich mir einen runden Abschluss gewünscht, meinetwegen auch einen Schlechten.

Selten hat mich ein Buch so dermaßen aufgewühlt wie "Abschied für immer und nie". Es ist ein krasses Wechselbad der Gefühle und es besitzt für seine nur 304 Seiten überraschend viel Tiefe und Atmosphäre.
Einzig das offene Ende ist ein wahrer Wehmutstropfen.


1 Kommentar:

  1. Huhu Ina,
    schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat, ich fand es auch echt gut. Nur mit dem Ende konnte ich leider so gar nichts anfangen, ich meine, da hätte man doch ein wenig genauer werden können, oder?

    Alles Liebe, Nelly

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