Sonntag, 16. Oktober 2016

[Rezension] Dich immer wiedersehen

- Gebunden -

Autorin: Jennifer E. Smith
Übersetzt von Ingo Herzke
Verlag: Carlsen

Erscheinungsdatum: 28. Juli 2016
Originaltitel: The Geography of You and Me

ISBN-13: 978-3551556592
Seitenzahl: 352 Seiten
Reihe: nein

Preis: 17,99€

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Stromausfall in New York: Lucy und Owen lernen sich irgendwo zwischen dem 10. und 11. Stock kennen, steckengeblieben im Fahrstuhl eines Hochhauses. Doch auch in völliger Dunkelheit sind sich die beiden gleich sehr sympathisch. Als sie nach ihrer Rettung durch die dunklen Straßen von Manhattan schlendern, steht für beide fest, dass sie ziemlich gut zusammenpassen. Doch mit dem Strom kehrt leider auch die Realität zurück: Lucy wird mit ihren Eltern in wenigen Tagen nach Europa ziehen. Wann und wo wird sie Owen wiedersehen?
Es beginnt mitten in New York. In einem Lift. Bei Stromausfall.
Dort begegnen sich Owen und Lucy zum ersten Mal. Sie stecken fest, zwischen dem 10. und dem 11. Stock.
Nach der ersten anfänglichen Befangenheit und dem Analysieren der wirklich blöden Situation in der sie sich befinden, kommen die beiden ins Gespräch und merken schnell, das sie einen besonderen Draht zueinander haben. Als sie nach ihrer Rettung zusammenbleiben und durch die lahmgelegten Straßen New Yorks ziehen, umgibt sie ein besonderer Zauber, der sie irgendwie zusammenschweißt.
Doch damit ist Schluß, als das Licht und der Strom zurückkehren. Beide werden in ihre komplett unterschiedlichen Welten zurückgeschleudert und vor nüchterne Tatsachen gestellt, denn Lucy soll mit ihrem Eltern nach London ziehen und Owen und sein Vater werden New York ebenfalls verlassen.
Die beiden bleiben über Postkarten und Emails in Kontakt, doch wann immer sie voneinander hören, schmerzt das Herz, denn sie habens ich längst rettungslos ineinander verliebt. Doch kann eine Liebe über solche Entfernung überhaupt Bestand haben ?

Die Thematik die Jennifer E.Smith hier neben ihrer sehr zarten Liebesgeschichte beleuchtet, ist ganz deutlich die Kluft zwischen Arm und Reich, denn während Lucy ein wohlgeordnetes und abgesichertes Leben führt, hat Owen noch nicht einmal ein richtiges Dach über dem Kopf. Er schlägt sich mit seinem arbeitslosen Vater von einem Ort zum anderen und übernachtet dabei schon auch mal im Auto, wenn das Geld gerade nicht für ein Motelzimmer reicht. 

Nur über Postkarten, die Owen Lucy schickt und über Mails mit denen Lucy ihm antwortet halten sie Kontakt. Sehr authentisch dabei ist, das der Kontakt ( wie das auch im wahren Leben oft der Fall ist ) mal stärker und mal schwächer wird. Beide entwickeln neue Freundschaften in ihrer direkten Umgebung, beide verlieben sich auch neu und trotzdem glimmt da in beiden weiterhin dieser eine besondere Funke, der sie den jeweils anderen einfach nicht vergessen lässt.

Es hätte so ein schöner Schmöker werden können, doch leider gab es ein paar Punkte, die mich nicht so recht überzeugen konnten. 
 
Lucy macht zunächst einen recht reifen Eindruck, als sie davon berichtet, das sie oft alleine in New York bleibt, während ihre Eltern um die Welt jetten. Sie kommt gut klar und man erwartet so eine gewisse Selbstständigkeit. Leider merkt man aber im weiteren Verlauf das sie doch ziemlich introvertiert ist und sich naiv gibt. Es stört sie beispielsweise, das die Eltern sie so oft alleine lassen, doch aussprechen tut sie es nicht. An anderer Stelle verhält sie sich für meinen Geschmack außerdem reichlich egoistisch und das ist ein Zug, der sie mir nicht gerade sympathisch macht. Sie hält Owen in einer bestimmten Szene etwas vor, das sie selbst nicht besser gemacht hat und das hat mich ehrlich wahnsinnig aufgeregt.

Owen war mir als Protagonist deutlich lieber. Er kennt seine Schwächen und Stärken. Er ist ein weitestgehend authentischer Charakter, bei dessen Zeichnung ich mir aber noch einen Hauch mehr Tiefe gewünscht hätte. Seine Gefühle kommen nicht immer ganz so gut raus, da wäre sicher noch mehr gegangen, gerade in Bezug auf seinen Verlust und das Verhältnis zu seinem Vater.

Ich fand die Geschichte durchaus süß und war aufgrund des wirklich tollen und auch irgendwie fesselnden Schreibstils recht zügig durch, ABER und leider ist das ein sehr großes Aber, hat sie mich nicht so berührt, wie ich mir das erhofft und gewünscht hatte. Was mich neben vielen kleinen Ungereimtheiten am meisten gestört hat, war ( mal wieder ) Jennifer E. Smiths Hang dazu, die Geschichte nicht zu Ende zu erzählen. Das tut sie immer und ich bemängel das echt jedes Mal. Man hat zwar das Gefühl das man mit dem Ausgang zufrieden sein kann, doch es endet immer abrupt und so, als würden da noch ein paar mehr Seiten fehlen. Viele Leser schätzen einen solchen Ausgang, weil er ihnen persönlichen Raum für Spekulationen lässt und sie die Story noch ein bisschen weiterspinnen können. Aber ich bin davon leider so überhaupt kein Fan und deshalb hat mich das Ende hier wahnsinnig genervt.

Alles in allem, ist "Dich immer wiedersehen" eine solide Liebesgeschichte, der es ein bisschen an Feinschliff fehlt. Sie entwickelt sich zwar weitestgehend nachvollziehbar, ist für meinen Geschmack aber nicht rund genug.


1 Kommentar:

  1. Oh je, es wäre schon ein Horror für mich, im Aufzug stecken zu bleiben *grusel*
    Liebe Grüße
    Elena

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