Mittwoch, 17. Februar 2016

[Rezension] Infernale

- Gebundene Ausgabe -

Autorin: Sophie Jordan
Übersetzt von Ulrike Brauns
Verlag: Loewe

Erscheinungsdatum: 15. Februar 2016
Originaltitel: Uninvited

ISBN-13: 978-3785581674
Seitenzahl: 384 Seiten
Reihe: ja, Band 1/2

Preis: 17,95€

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Von klein auf hörte ich Wörter wie begabt. Überdurchschnittlich. Begnadet. Ich hatte all diese Wünsche, wollte etwas werden. Jemand. Niemand sagte: Das geht nicht. Niemand sagte: Mörderin. Als Davy in einem DNA-Test positiv auf das Mördergen Homicidal Tendency Syndrome (HTS) getestet wird, bricht ihre heile Welt zusammen. Sie muss die Schule wechseln, ihre Beziehung scheitert, ihre Freunde fürchten sich vor ihr und ihre Eltern meiden sie. Aber sie kann nicht glauben, dass sie imstande sein soll, einen Menschen zu töten. Doch Verrat und Verstoß zwingen Davy zum Äußersten. Wird sie das werden, für das alle Welt sie hält und vor dem sie sich am meisten fürchtet – eine Mörderin?
Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der man Dank DNA potenzielle Mörder erkennen kann. Stell dir vor, du wachst eines morgens auf und dein ganzes bisheriges Leben, deine Träume, deine Ziele sind plötzlich irrelevant, denn du trägst das HTS Gen in dir. Stell dir vor, man schließt dich aus der Gesellschaft aus, deine Freunde wenden sich von dir ab, du musst die Schule wechseln und man pfercht dich mit vermeintlichen Kriminellen und Killern deines Alters in einen muffigen Kellerraum, ein Klassenzimmer das aussieht wie ein Käfig. Damit der Lehrer geschützt ist. Stell dir vor, du wirst gebrandmarkt, jeder deiner Schritte wird verfolgt und man kann Dinge mit dir tun, die dir niemand glauben wird. Stell dir vor, auf dich wartet ein Dasein im Internierungslager, das du vielleicht nie mehr verlässt....

Und jetzt stell dir vor, man bietet dir die Chance auf eine bessere Möglichkeit, auf eine Art Entkommen, auf ein Leben im Dienste des Staates. Auf ein Leben ohne Hunger und eine Chance dieses furchtbare Zeichen an deinem Hals wieder loszuwerden. Würdest du da zögern ?

Willkommen im Leben von Davy Hamilton.
Sie ist beliebt, kommt aus gut angesehenem Hause, sie ist begabt, von Kindesbeinen an hat sie ein großes Talent für die Musik, einen zugesicherten Studienplatz an der Juilliard School in New York, doch dann stehen plötzlich Agenten in ihrem Haus und eröffnen ihr, das sie Trägerin des HTS-Gens ist. Ein Gen das nur Mörder in sich tragen. Ihre Freunde wenden sich von ihr ab, die Schule lädt sie aus und für Davy beginnt ein Leben als Ausgestoßene.

Mehr mag ich an dieser Stelle eigentlich gar nicht verraten, denn ich würde Euch nur die ganze Spannung vorwegnehmen und davon gibt es in diesem Jugendroman wahrlich reichlich.

Bereits als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe, war mein Interesse geweckt. Es ist ansich nicht besonders spektakulär und ich gestehe, ich kann langsam eigentlich keine Cover mit Gesichtern mehr sehen. Dennoch hat dieses hier etwas Anziehendes, ob es nur an dem auffälligen H am Hals der jungen Frau liegt oder durch den rauchig wirkenden Farbverlauf hervorgerufen wird, weiß ich nicht. Fakt ist, mein Interesse war geweckt und ich war unglaublich neugierig was mich hier erwartet.

"Infernale" ist eine Dystopie und doch irgendwie auch wieder nicht. Die Geschichte spielt nicht nur näher an unserer Zeit als manch anderer Roman dieses Genres, sie ist auch vom Plot her erschreckend realistisch. Wie in anderen Dystopien gibt es auch hier ein gesellschaftliches System das von den Oberen kontrolliert und gesteuert wird, sie erzählen den Menschen was Recht und Unrecht ist und verpassen ihnen einen Stempel.
Leider, und das ist ehrlich gesagt wirklich tragisch und beängstigend, sind wir heute gar nicht mehr weit von solch einem Szenario entfernt. 
Denn seien wir ehrlich, wir befinden uns doch bereits in einer Zeit, in der wir uns bald nicht mehr scheuen Menschen besonderer Gruppierung, Religion oder Orientierung ein Zeichen zu verpassen, welches sie für uns alle erkennbar macht.
Dies macht das Buch für mich eher zu einer Art Gesellschafts-Drama, als zu einer klassischen Dystopie. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die permanent mitschwingende Spannung, die über der ganzen Story liegt. Alles in allem würde ich das Buch also als dystopischen Gesellschafts-Thriller bezeichnen.

Aber egal, wie man es nun nennen mag, dieses Buch ist so genial wie es auch erschreckend ist. "Infernale" ist mein erster Roman von Sophie Jordan, aber ganz sicher nicht der Letzte, denn die Autorin hat eine wahnsinnig fesselnde Art Geschichten zu erzählen. Ich klebte förmlich an den Seiten und war für mein Umfeld einige Stunden nur noch bedingt ansprechbar.

Was mir sehr gut gefallen hat, war, das die Autorin hier nicht nur auf Spannung und Action setzt, sondern das es auch leise Töne gibt, die sich in Form einer sehr zarten Liebesgeschichte in die Geschichte einfügen, die mir unglaublich viel Freude bereitet hat. Sie steht nicht im Fokus, sondern spielt sich eher im Hintergrund ab.

Die Figuren sind großartig ausgearbeitet. Mag sein, das sie ein bisschen stereotyp wirken: Davy ist das klassische wohlbehütete, gutsituierte Mädchen, das sich plötzlich gegen alles und jeden behaupten muss, Sean ist der knallharte Bad Boy und Gil ist irgendwie ein Nerd. Und trotz dieser Tatsache finde ich sie allesamt einfach liebenswert und klasse. Sie müssen im Verlauf über sich hinauswachsen, müssen sich den anderen gegenüber öffnen, weil sie nur gemeinsam stark sind. Sie müssen sich grausigen Situationen stellen und jede Menge Mut und Stärke beweisen.

Wie so oft, kommt auch hier das Ende viel zu schnell und auch wenn es mich absolut zufriedenstellen konnte, bin ich doch schon irre gespannt, wie die Geschichte weitergeht, denn es sind hier viele Fragen entstanden und offen geblieben, die sich wohl erst in Band 2 komplett aufklären werden.

"Infernale" ist ein absolutes Highlight ! Ich hatte mit einer klassischen Dystopie gerechnet und wurde mit einer unerwartet gesellschaftskritischen und megaspannenden Story überrascht. Sophie Jordan hat mich mit ihrer frischen Idee überzeugt, aber auch nachdenklich werden lassen. Sie hat mich an die Seiten gefesselt und mich mit einer immensen Neugier auf die Fortsetzung zurückgelassen.


Kommentare:

  1. Hi Ina!

    Ich hab ja in den letzten Tagen einige sehr begeisterte Rezis gelesen - und dabei gesehen, wie anders so ein Buch wirken kann.
    Ich war ja nicht ganz so angetan davon - mir ist das Thema viel zu sehr im Hintergrund geblieben, da hätte man meiner Meinung nach noch einiges mehr rausholen können. Und mit Davy kam ich auch nicht wirklich klar, sie hat mich ziemlich genervt mit ihrer Meinung, die ständig hin und her ging.

    An Action wurde wirklich sehr gespart, denn ich fand grad die erste Hälfte zog sich ganz schön hin bis es "wirklich mal losging". Auch die ganzen Reaktionen der Betroffenen fand ich doof, weshalb mir da kaum jemand sympathisch war, eigentlich nur Mitchell (der ja kaum erwähnt wurde) und Gil. Aber Sean mochte ich sehr gern ^^

    Dieses typisch klischeehafte ist wohl einfach nix für mich :) Den zweiten Band werd ich trotzdem lesen, weil ich wissen möchte, was noch kommt und ich hoffe, dass dann mehr Gas gegeben wird!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Huhu,

    nun da warte ich eher mal ab ...wann der 2.Band erscheint.

    LG..Karin...

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