Mittwoch, 20. Juli 2016

[Rezension] Schweigen ist Goldfisch

- Gebunden -

Autorin: Annabel Pitcher
Übersetzt von Susanne Hornfeck
Verlag: Sauerländer

Erscheinungsdatum: 25. Mai 2016
Originaltitel: Silence is Goldfish

ISBN-13: 978-3737353755
Seitenzahl: 464 Seiten
Reihe: nein

Preis: 16,99€

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»Mein Name ist Tess Turner – dachte ich jedenfalls bis vor kurzem. Und ja, ich habe eine Stimme, aber sie gehört nicht wirklich mir. Ich habe Dinge gesagt, um dazuzugehören, um meinen Eltern zu gefallen, um allen zu gefallen. Ich habe so getan, als wäre ich jemand, der ich gar nicht bin. Ich habe gelogen. Dabei ist mir übrigens nie in den Sinn gekommen, dass alle anderen auch lügen könnten. Die Lügen sind aber eigentlich gar nicht das Problem. Was wirklich weh tut, ist die Wahrheit: Sechshundertsiebzehn wahre Worte, die meine ganze Welt auf den Kopf stellen. Und weil Worte so gefährlich sind – die gelogenen und die wahren – , habe ich beschlossen, sie nicht mehr zu benutzen. Ich bin Pluto. Schweigend. Unerreichbar. Milliarden Meilen von allem entfernt, was ich zu kennen glaubte. «

Tess hatte nie das Gefühl, wirklich dazuzugehören. Als sie eines Nachts am Computer ihres Vaters die Wahrheit über ihre Herkunft erfährt – nämlich dass er eben nicht ihr Vater ist – weiß sie auch, warum das so ist. Sie ist Pluto, aber ihre Eltern wollten einen Mars. Oder wenigstens eine Venus.

Was soll Tess dazu noch sagen? Ihr fehlen die Worte. Und so schweigt sie. Schweigend sucht sie ihren richtigen Vater. Schweigend unterhält sie sich mit ihrem Plastikgoldfisch, Mister Goldfisch. Schweigend verliert sie ihre beste Freundin und findet einen neuen Seelenverwandten. Und sie gewinnt die allerwichtigste Erkenntnis überhaupt: nämlich, dass Schweigen Macht verleiht – aber Reden noch viel mehr.
Ja, die Geschichte um Tess klang wirklich vielversprechend, das Cover fand ich genial gewählt, denn nach dem Klappentext wird eigentlich schon recht klar, das Tess mit ihrer Aktion gegen den Strom schwimmt und sich anders verhält als die anderen.

Also an und für sich ein guter Anfang, sollte man meinen. Doch recht schnell wurde mir beim Lesen leider klar, das dieses Buch und ich nicht zueinanderfinden. Das lag zum einen an der Tatsache, das mich die Handlung so überhaupt nicht mitreißen konnte, zum anderen lag es ganz klar an Tess.

Sie ist 15 Jahre alt, hält sich optisch selbst für einen ziemlichen Troll und hat eigentlich keine Freunde. Sie ist, wie sie selbst von sich sagt: Pluto. Milliarden Meilen entfernt von allen anderen Planeten. Doch sie hat sich arrangiert, irgendwie. Doch dann ist da dieser eine kleine Moment, in dem der PC ihres Vaters aus dem Standbymodus erwacht und ihr enthüllt, das er gar nicht ihr Vater ist. Und plötzlich ist alles anders. Tess hüllt sich in Schweigen und der Einzige zu dem sie jetzt noch spricht ist Mr. Goldfisch, eine Taschenlampe in Fischform.

Es gab zwei Gründe, warum mich dieses Buch zunächst echt angesprochen hat:
1. Ich teile Tess' Schicksal in Bezug auf ihren Vater und die späte Erkenntnis das er nicht ihr Vater ist. Und 2. Ich hatte mir in Bezug auf das Schweigen eine Geschichte in der Art von Hannah Harringtons "Speechless" erwartet. 
Erster Punkt erfüllt sich, letzterer leider nicht.  
Denn die Story ist wirklich komplett anders. 

Tess macht sich, nachdem sie das Geheimnis ihrer Eltern erfahren hat, nun auf die Suche nach ihrem leiblichen Vater. Sie weiß, woher auch immer, das sie aus einer Samenspendebank kommen muss, doch da kriegt sie keine Auskunft, also beginnt sie damit, beinahe jeden Mann mit sich selbst zu vergleichen. Während sie dies tut, geht sie nicht nur oft gehörig zu weit, stößt ihre einzige und beste Freundin vor den Kopf, benimmt sich trotzig und für 15 absolut albern, sondern sie unterhält sich ausschließlich nur noch mit Mr. Goldfisch, einer Taschenlampe. 

Ich habe mich bis zur Hälfte wirklich schon nur gequält und habe das Buch dann erst einmal zur Seite gelegt, weil es mich fast in eine Flaute manövriert hätte. Dann hab ich einen neuen Versuch gestartet, vielleicht doch noch Gefallen an der ganzen Story zu finden....und noch einen....und noch einen, bevor ich endgültig aufgegeben habe. 

Weder konnte ich mich mit dem drögen Schreibstil noch mit Tess anfreunden. Sie ging mir mit ihrem Verhalten einfach total auf die Nerven, weil sie sich benimmt wie ein kleines Kind, dem man einen Lolli verwehrt. Klar, einerseits habe ich sie total gut verstanden, denn die Entdeckung die sie macht, haut sie völlig von den Socken. Ich kann von sowas ein Lied singen, ich weiß wie das ist. Und da hatte ich echt Mitleid mit ihr, aber ihr Verhalten danach war einfach daneben und ihre ewigen Goldfischmonologe fand ich anstrengend.
Die Handlung zieht sich zudem wirklich sehr zäh dahin und irgendwann wars für mich selbst einfach besser zu resignieren und abzubrechen. 

Sehr schade, denn die Idee war durchaus gut und hat mich ja im Vorfeld auch angesprochen, aber in der Umsetzung wars leider nix.


1 Kommentar:

  1. Das kann ich so unterschreiben. Für mich war es auch eine dröge Handlung und Tess einfach nervig. Bitte versuche trotzdem noch ein Buch von Pitcher zu lesen, denn sie kann tolle Geschichten schreiben.

    LG

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