Mittwoch, 26. Oktober 2016

[Rezension] Totenfang

- Hardcover -

Autor: Simon Beckett
Übersetzt von Sabine Längsfeld & Karen Witthuhn
Verlag: Wunderlich

Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2016
Originaltitel: The Restless Dead

ISBN-13: 978-3805250016
Seitenzahl: 560 Seiten
Reihe: ja, Band 5

Preis: 22,95€

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Sein fünfter Fall führt Dr. David Hunter in die Backwaters, ein unwirtliches Mündungsgebiet in Essex, wo die Grenzen zwischen Land und Wasser verschwimmen. Aber die wahren Gefahren lauern nicht in der Tiefe, sondern dort, wo er sie am wenigsten erwartet.

Seit über einem Monat ist der 31-jährige Leo Villiers spurlos verschwunden. Als an einer Flussmündung zwischen Seetang und Schlamm eine stark verweste Männerleiche gefunden wird, geht die Polizei davon aus, Leo gefunden zu haben. Der Spross der einflussreichsten Familie der Gegend soll eine Affäre mit einer verheirateten Frau gehabt haben, die ebenfalls als vermisst gilt: Leo steht im Verdacht, Emma Darby und schließlich sich selbst umgebracht zu haben. Doch David Hunter kommen Zweifel an der Identität des Toten. Denn tags darauf treibt ein einzelner Fuß im Wasser, und der gehört definitiv zu einer anderen Leiche.

Für die Zeit seines Aufenthalts kommt David Hunter in einem abgeschiedenen Bootshaus unter. Es gehört Andrew Trask, dessen Familie ihm mit unverholener Feindseligkeit begegnet. Aber sie scheinen nicht die einzigen im Ort zu sein, die etwas zu verbergen haben. Und noch ehe der forensische Anthropologe das Rätsel um den unbekannten Toten lösen kann, fordert die erbarmungslose Wasserlandschaft erneut ihren Tribut…


 
David Hunter is back !!! Endlich !
Knapp vier Jahre liegen zwischen dem letzten und dem neuen Fall für David Hunter und so ist es wohl kein Wunder das die Fans diesem Band mit reichlich Ungeduld entgegenfieberten. Die Schreibpause und das Abwarten, das "David zu ihm kommt", wie Beckett in seiner Danksagung erwähnt, haben dem Autor gut getan, denn er bringt Hunter in gewohnt spannender Manier zurück aufs Papier und beschert mir so ein echtes Leseerlebnis.


In seinem neuen Fall ruft man den forensischen Anthropologen David Hunter in die abgelegenen Backwaters in Essex. In dem wahrlich unwirtlichen Gebiet mit seinen Salzmarschen und verwirrenden Flußläufen, mit stetig wechselner Ebbe und Flut, hat man eine stark verweste Leiche gefunden. Die Polizei geht davon aus, das es sich bei der Leiche um den vermissten Leo Villiers handelt. Sohn aus reichem, elitärem Hause.
Zunächst erscheint diese Tatsache recht logisch, als die Flut am nächsten Tag jedoch einen herrenlosen Fuß heranspült, der so gar nicht zu der Leiche passen will und sich einige sehr fragliche Dinge ereignen, kommen Hunter Zweifel an der Identität der Leiche.

Hunter hat seine Nase hier einmal mehr zu tief in einen Fall gesteckt, hat sich hinreißen lassen, auf eigene Faust zu ermitteln und den Kontakt zu den Verbliebenen der Opfer gesucht, was ihn natürlich teuer zu stehen kommt, denn noch bevor er es selbst begreift, hat er sich damit in die Schußlinie des Killers gebracht. 

Ich möchte hier inhaltlich nicht weiter ins Detail gehen, denn der Klappentext sagt eigentlich schon recht viel aus. Der Leser kann sich allerdings auf einige Überraschungen und sehr gut ausgeklügelte Wendungen freuen, so viel will ich verraten. Die Handlung baut sich langsam und gut nachvollziehbar auf, es gibt, wie bei allen Hunter-Romanen einen roten Faden, der sich wunderbar durchs Buch zieht und mit dem die Spannung zwar erst recht zögerlich, dann jedoch immer geballter ansteigt. Extrem gut fand ich dieses Mal, das man von Anfang bis Ende nicht die geringste Ahnung hat, wer hinter dem Tod der Leiche steckt und wie alles zusammenhängt. Immer dann wenn man vielleicht doch den Hauch einer Vermutung hegt, ändert Beckett die Taktik und man fängt mit der Rätselei quasi von vorne an.
Außerordentlich packend fand ich hier, das Simon Beckett einen, direkt mit dem Fall verwobenen Handlungsstrang einbaut, der sich auf Hunters Privatleben und auf seine Gefühlswelt bezieht. Diese Verbindung macht es nicht nur spannender, sondern schon regelrecht dramatisch.
Das Ende kommt mit einer interessanten und logischen Auflösung, die beim Leser keine Fragen offen lässt. Sehr geschickt gemacht.

Was mir persönlich, wie an allen Hunter-Romanen gut gefällt, ist das sich der Fall nachvollziehbar entwickelt und zwar einige Leichen mit sich bringt, aber nicht unnötig blutrünstig geschildert wird. Ich würde die Reihe deshalb eigentlich eher als Krimi ansehen, denn als Thriller, aber das kann man ja sehen wie man mag. Sie ist spannend, aber niemals überzogen, gut durchdacht und mit viel fachlichem Wissen gespickt.
Zudem ist der grandiose Schreibstil immer wieder ein besonderes i-Tüpfelchen. Simon Beckett nimmt einen mit seinen Worten und seinem sehr detaillierten und bildreichem Stil immer wieder gefangen. Du hast das Gefühl dich in der Gegend zu verlieren und bist schon beinahe enttäuscht, wenn du während des Lesens den Kopf hebst, aus dem Fenster blickst und merkst, das du ja eigentlich Zuhause bist und nicht durch die raue, wilde Natur an der Küste von Essex stapfst. Eine Gabe, die in diesem Ausmaß, leider nicht sehr viele Autoren besitzen.

Auch mit seinem, von mir langersehnten, fünften David-Hunter-Roman hat Simon Beckett wieder einmal voll ins Schwarze getroffen. 
"TOTENFANG" ist ein perfekt ausgeklügelter Krimi, der mich Dank seines großartig detailreichen Schreibstils und seiner stetig ansteigenden und allzeit präsenten Spannung begeistern und in Atem halten konnte.

1 Kommentar:

  1. Hallo Ina,

    ich sehe schon, David Hunter at his best. Eigentlich hatte ich mit ihm abgeschlossen, aber nach dem ich so begeisterte Rezensionen zu lesen bekomme, komme ich nicht um ihn herum.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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