Dienstag, 3. Januar 2017

[Rezension] Normal ist anders

- Taschenbuch -

Autorin: Katja Kulin
Verlag: Ullstein

Erscheinungsdatum: 02. Dezember 2016

ISBN-13: 978-3548288000
Seitenzahl: 240 Seiten
Reihe: nein

Preis: 9,99€
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Lea kann nichts mehr schlucken. Kein Brot, keine Schokolade, kein Obst. Wenn sie ehrlich ist, will sie auch gar nichts mehr schlucken. Lea leidet unter panischer Angst vor dem Ersticken. Inzwischen ist die 26-Jährige so untergewichtig, dass sie sich entscheiden muss: Sterben oder Therapie. Sie entscheidet sich für Letzteres. In der Klinik werden aus den anfangs so skurril erscheinenden Mitpatienten bald gute Freunde, und ganz unerwartet passiert Lea auch noch das Normalste überhaupt: Sie verliebt sich. In den hochsensiblen Ben, der einen Sammelzwang hat. Er tut ihr gut, aber kann sie seine Liebe überhaupt zulassen? Und dann wird sie rückfällig ...

Zunächst einmal muss ich sagen, das Katja Kulin in Sachen Recherche hier einen echt guten Job gemacht hat. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich all diese Therapie-Romane satt habe, in denen immer alles so erzwungen freundlich und unrealistisch wirkt. Therapie ist kein Zuckerschlecken. Es ist hart und es tut weh, man gelangt dabei an seine Grenzen und schießt darüber hinaus.

Dies fängt Katja Kulin sehr gut und authentisch ein und vermittelt dem Leser so ein Gefühl für die Protagonisten, ihre Probleme und Ängste.
Ihr Schreibstil ist dabei sehr nüchtern, was mir extrem gut gefallen hat.

Nicht ganz so gelungen fand ich dagegen die Aufarbeitung von Leas Problemen. Sie versucht für all ihre Mitpatienten eine Stütze zu sein, aber ich hatte das Gefühl, das sie dabei selbst auf der Strecke bleibt.
Die Einzelsitzungen lösen zwar Flashbacks aus, in der Lea von sich zunächst in der dritten Form spricht und ihre Probleme selbst erörtert und schließlich auch erkennt, aber mir war das zu wenig Tiefe. Ich hätte mir gewünscht, das Katja Kulin mehr Fokus hierauf legt.

Stattdessen erfahren wir viel mehr über Ismail aka Hülay, die von den Mitpatienten auf ihrem Weg vom Mann zur Frau begleitet wird.
Da gibt es immer wieder Treffen, bei denen sich die Frauen ihren Kleiderschrank vornehmen, sie zurecht machen oder sie auf dem ersten Weg nach draußen begleiten. Klar waren diese Schritte faszinierend und ich habe mit Hülya mitgefiebert, der diese alles andere als leicht fielen. Aber diese Probleme lenkten für meinen Geschmack viel zu viel von Lea ab, die hier doch eigentlich die Hauptrolle spielt.

Lea ist 26 und kann nicht mehr richtig essen, weil sie Angst davor hat zu ersticken. Ihr Hals könnte anschwillen oder es könnte etwas hängen bleiben. Mittlerweile ist es so schlimm, das sie sich fast ausschließlich von Astronautenkost ernährt. Dieser Zwang und diese Störung haben natürlich eine Ursache, die sie versucht in der Therapie zu erörtern.

Ein wenig vorhersehbar, aber nicht störend, fand ich die aufkeimende, ganz zarte und vorsichtige Liebesgeschichte die sich zwischen Ben und Lea entwickelt. Sie ist süß und naja irgendwie musste sie sein, damit sich der Kreis schließen kann. Wie gesagt: vorhersehbar aber nicht störend.

Alles in allem hat mir "Normal ist anders" sehr gut gefallen und ich würde das Buch gerne jedem empfehlen, der Therapie-Romanen nicht abgeneigt ist und gerne mal etwas lesen möchte, das man zumindest im Ansatz nachvollziehen kann. 


1 Kommentar:

  1. Hey Ina,

    das hört sich nach einem interessanten Buch an, welches sich mit Sicherheit in den Kopf verpflanzt und so schnell nicht mehr vergeht. Ich finde es gut, dass Autoren auch mal zu solch schweren Themen greifen. :)

    Liebe Grüße,
    Ruby

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