Montag, 22. Mai 2017

[Rezension] Winterseele - Kissed by Fear

- Taschenbuch -

Autorin: Kelsey Sutton
Übersetzt von Ursula Held
Verlag: Ravensburger

Erscheinungsdatum: 19. April 2017
Originaltitel: Some Quiet Place

ISBN-13: 978-3473585083
Seitenzahl: 352 Seiten
Reihe: ja, Band 1

Preis: 12,99€

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Niemand weiß, dass Elizabeth Caldwell die Gabe besitzt, Gefühle in menschlicher Gestalt zu sehen. Sehnsucht, Mitleid, Wut - sie alle halten sich von Elizabeth fern, denn sie zeigt als einzige Sterbliche keine Reaktion auf ihre Berührung. Allein der Angst und Schrecken verbreitende Fear wird bei ihr schwach. Er ist besessen davon herauszufinden, welche Macht Elizabeth zu dem gemacht hat, was sie ist ...

Ach, was habe ich mich auf diesen Jugendroman gefreut. Der Klappentext klang großartig, nach einer genialen Idee, verbunden mit einer kompliziert anmutenden Liebesgeschichte und das Cover ist ja wohl mal ein Eyecatcher schlechthin.
Was man auf dem Foto oben leider nicht erkennen kann, ist, das die Schrift ganz wunderbar schimmert, wenn man das Buch bewegt.
Neben diesem schönen Aspekt schwingt aber auch eine besondere Aura mit, finde ich und diese spiegelt sich auch in der Geschichte wider.

Düster ist sie und bedrückend.

Elizabeth war ein normales, fröhliches Kind, bis zu jenem Tag als sich ein schrecklicher Unfall ereignete. Seitdem hat sie sämtliches Empfinden verloren. Sie kann die Gefühle zwar in Menschengestalt sehen, aber sie spürt sie nicht.
Elizabeth ist wie eine leere Hülle, da ist keine Freude, keine Hoffnung, keine Trauer oder Wut, nur eine allgegenwärtige Leere.
Diese "Gleichgültigkeit" führt zu einem sehr einsamen Leben, denn Elizabeth hat kaum Freunde, von ihren Eltern wird sie nur "ertragen" und selbst die Gefühle verlieren irgendwann das Interesse an ihr. Einzig Fear, die Angst, ist immer an ihrer Seite. Er versucht schon seit Jahren auch nur den klitzekleinen Hauch eines Gefühls in Elizabeth zu erzeugen und zu ergründen, warum sie nichts empfinden kann....

Puh, ja...ich weiß ehrlich gesagt gar nicht wo genau ich hier ansetzen soll und will, denn dieses Buch hat mich einige Nerven gekostet.

Zunächst einmal muss ich sagen, das ich die Idee, das Elizabeth die Gefühle in Menschengestalt sehen kann, total genial fand. Wirklich. Sowas habe ich bisher nirgends gelesen. Es war also endlich mal eine frische und neue Idee.
Doch die Umsetzung lässt ein bisschen zu wünschen übrig, denn mir fehlte hier lange Zeit ein roter Faden.

Ich wusste bis zur Hälfte nicht, wohin die Reise hier gehen wird, der Plot wirkte wie ein konfus zusammengesetztes Konstrukt aus verschiedenen Handlungssträngen, die für mich lange Zeit überhaupt nicht zueinander passen wollten. Da ist diese Sache mit den Gefühlen, dann gibt es seltsame Träume, die weder Elizabeth noch ich als Leserin in irgendeiner Form deuten kann, es gibt den Alltag, der überwiegend daraus besteht, sich unauffällig zu verhalten und den prügelnden Alkoholikervater nicht zu provozieren. Es gibt die kranke Freundin, die mobbende Mitschülerin und "natürlich" gibt es zwei Jungs, deren Gefühle in Bezug auf Elizabeth über Freundschaft hinausgehen.

Am Ende, da laufen all diese Dinge zusammen und alles ergibt einen tieferen Sinn, das Puzzle setzt sich zusammen, doch bevor es soweit ist, muss man ein gewisses Maß an Durchhaltevermögen aufbringen, um es überhaupt bis in die zweite Hälfte zu schaffen, denn die Geschichte plätschert eher verwirrend und trotzdem weitestgehend unspektakulär vor sich hin.

Eigentlich macht mich das gerade ein bisschen traurig, denn wie schon gesagt, die Idee ist absolut toll und auch die Entwicklung und wie sich am Ende alles fügt ist echt richtig gut durchdacht und überlegt und vor allem überraschend. Aber der Weg ist das Ziel und mit ihrem Weg hat sich Kelsey Sutton in meinen Augen keinen sonderlich großen Gefallen getan.

Gut fand ich dagegen die Ausarbeitung der Charaktere, allen voran natürlich Elizabeth. Da sie nichts fühlt, wirkt sie auf mich als Leserin, unglaublich nüchtern und kalt. Emotionslos eben. Das gefiel mir recht gut, denn dadurch wird sie glaubwürdiger. Nicht so ganz nachvollziehbar fand ich dagegen, warum sie auf die meisten Gefühle gar nicht reagiert, aber durchaus Schmerzen "fühlen" kann. Dabei wird sich die Autorin sicherlich etwas gedacht haben, mich hat es ein wenig irritiert.
Fear fand ich, auf eine morbide Art und Weise, äußerst amüsant. Er ist die Angst und er ist getrieben von der Neugier, warum und wieso Elizabeth nichts empfinden kann. Um vielleicht doch das ein oder andere Gefühl aus ihr herauszukitzeln, lässt er sich immer neue, schräge Methoden einfallen, um ihr Angst einzujagen. Das er dabei ein ums andere Mal scheitert, stört ihn nicht.

Im Ganzen betrachtet fand ich "Winterseele - Kissed by Fear" eigentlich recht gut. Ich mochte die nachvollziehbare Ausarbeitung der Protagonisten, die total geniale Idee mit den Gefühlen, die düstere Atmosphäre; auch die Fügung am Ende fand ich überraschend und gut. Weniger gefallen hat mir der langatmige und konfuse Entwicklungsprozess der Geschichte. Man braucht ziemlich viel Durchhaltevermögen für dieses Buch. Wenn man dieses aufbringen kann, dann wird einem die Geschichte aber auf jeden Fall gefallen.



Kommentare:

  1. Huhu,

    hm, interessant das es auch mal wieder etwas von Ravensberger gibt...sonst eher für mich ein Begriff wenn es um Puzzel und Spiele geht.

    LG...Karin..

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  2. Hey Ina,

    oh nein, das hört sich ganz so an als ob es kein Buch für mich ist. Ich wollte es eigentlich auch schon gelesen haben, aber zeitlich war es nicht drinnen daher habe ich es zurückgestellt und noch nicht besorgt. Nach deiner Rezi wird es wohl dabei bleiben, sehr schade.

    Liebe Grüße,
    ruby

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