Freitag, 3. November 2017

[Rezension] Im Jahr des Affen

- Gebunden -

Autorin: Que du Luu
Verlag: Königskinder

Erscheinungsdatum: 18. März 2016

ISBN-13: 978-3551560193
Seitenzahl: 288 Seiten
Reihe: nein

Preis: 16,99€

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Mini ist eine Banane: außen gelb und innen weiß. Ihr Vater hingegen bleibt durch und durch gelb: Er spricht nur gebrochen Deutsch und betreibt ein Chinarestaurant. Als ihr Vater ins Krankenhaus kommt, muss Mini im Restaurant schuften, sich mit dem trotzigen Koch streiten – und sie kann Bela nicht wiedertreffen, bei dem sie so viel Ruhe gefunden hat. Dann reist auch noch Onkel Wu an. Der traditionsbewusste Chinese holt die Vergangenheit wieder hoch: das frühere Leben, die gefährliche Flucht als Boatpeople aus Vietnam. Poetisch, klug, unterhaltsam: Der ungewöhnliche Roman erzählt von der Tragik des Andersseins, der Suche nach Heimat – und der Suche nach Glück.
 "Im Jahr des Affen" war der für mich letzte, noch ungelesene Titel aus dem AUGENBLICKE Programm der Königskinder, weshalb ich mir diesen nun einfach kurzentschlossen schnappte und mich mit Mini auf eine spannende Reise in ihre eigene Geschichte und die Geschichte ihrer Vorfahren und Verwandten begab.

Minis Vater betreibt in Herford ein Chinarestaurant, in dem er sich heilos übernimmt, was ihm seine Gesundheit irgendwann mit einem Herzinfarkt quittiert. Mini steht nun vor einem Berg an Problemen, denn sie muss nicht nur die Zügel im Restaurant in die Hand nehmen, sie muss sich auch um ihren aus Australien angereisten, bestimmenden Onkel Wu kümmern, sich mit dem Koch rumschlagen und ihre erste Liebe erleben.

Klingt amüsant, ist aber, wie von einem Königskind nicht anders zu erwarten, überraschend tiefgründig. Denn zwischen all dem Theater, das plötzlich über Mini hereinbricht, schwingen wirklich viele ernste Töne mit. Eine Frage die Mini vorrangig beschäftigt, ist die, wer sie eigentlich ist und wer sie sein will. Sie kam im Alter von knapp 5 Jahren mit ihrem Vater nach Deutschland, als chinesischer Flüchtling, bzw. sogenannter Boatpeople, geflohen aus dem Vietnamkrieg. Doch sie fühlt sich weder richtig chinesisch, noch fühlt sie sich deutsch.
Ihr Onkel macht diesen inneren Zwiespalt nicht besser, der gießt nämlich permanent Öl ins Feuer, weil er ihr unter die Nase reibt, wie wenig chinesisch sie sich verhält und wie schlecht sie die Sprache spricht.
Es geht also um Selbstfindung, aber es geht auch um Flucht, um Krieg, um Stolz und um Vorurteile.

Die Handlung ist hier wirklich sehr vielschichtig und ich fand es toll, wie die Autorin die einzelnen Themen verarbeitet, indem sie jedem Charakter den Teil eines großen Ganzen auf den Leib schneidert.

Ein bisschen weniger gut fand ich die Umsetzung, wobei es weniger gut gar nicht mal so trifft, es ist eher speziell. Ich empfand den Schreibstil als sehr nüchtern und Mini als unglaublich distanziert. Viele Themen werden aufgegriffen und dann aber nicht zu Ende geführt, was wohl die Sprachbarrieren verdeutlichen soll. Es war gewöhnungsbedürftig. Que du Luu wirft mir als Leser viele lose Fäden hin, die erst am Ende komplett zusammenlaufen und Sinn ergeben. Allerdings hat mich das Buch, trotz dieser Punkte aber auch sehr fasziniert und ich hatte es binnen eines Nachmittages zu Ende gelesen.

IM JAHR DES AFFEN ist ein absolut empfehlenswerter und interessanter, wenngleich auch, aufgrund des Schreib- und Erzählstils, etwas gewöhnungsbedürftiger Titel, der mich trotzdem sehr amüsiert und auch berührt hat.



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