Donnerstag, 22. Februar 2018

[Thementage] MEIN LEBEN oder Ein Haufen unvollkommener Momente - Tag 2


Schön, das ihr heute wieder reinschaut, auch wenn es um ein ernstes Thema geht.

Denn heute geht es um Trauerbewältigung.
Ein Thema das uns alle betrifft, weil sicher jeder von uns schon einmal einen geliebten Menschen verloren hat und plötzlich damit klarkommen muss, das er nicht mehr zurückkommt.

Quelle: pixabay.com
Auch Tess. Jonah ist weg und Tess stürzt in ein unendlich tiefes Loch. Da ist zunächst einmal die Fassungslosigkeit, das er sich umgebracht hat, man will und kann nicht wahrhaben was geschehen ist. Dann kommt die Trauer, man fühlt sich plötzlich verlassen und eine ganz eigentümliche Stille und Leere macht sich in einem breit. Dann kommen die Zweifel, darüber ob er immer ehrlich mit und zu ihr war; diese werden von Wut abgelöst. Wut darüber, das er ihr etwas verheimlicht hat, das er sich ihr gegenüber nicht geöffnet hat und sich keine Hilfe gesucht hat. Wut auf sich selbst, das sie nicht gemerkt hat, das etwas nicht stimmt. Und irgendwann, am Ende des Tunnels, da wartet die Akzeptanz. 

Man nimmt es an, akzeptiert, das der Verstorbene nicht zurückkehren wird, doch die Wut und die Trauer fallen ab und tauschen ihren Platz mit ( guten ) Erinnerungen.


Ich finde Peter Bognanni hat diese Stufen der Trauer in seinem Roman sehr gut und authentisch hervorgebracht, auch wenn jeder Mensch anders ist und seine Trauer anders verarbeitet. Die Stufen die man dabei durchmacht bleiben weitestgehend gleich.

Da das Thema wirklich schwierig ist und eben jeder Mensch anders damit umgeht, habe ich meine Freundinnen gefragt, die unterschiedlich harte Verluste durchgemacht haben. Das klingt seltsam, da ja jeder Verlust hart ist, aber es ist natürlich immer ein Unterschied, ob ein Mensch vielleicht schon wirklich alt oder krank ist, ein erfülltes Leben hatte oder ob ein Junger Mensch, der noch alles vor sich hat, aus dem Leben scheidet.

Fakt ist und da waren wir uns alle einig, das es einfach kein Patentrezept dafür gibt, wie man mit seiner Trauer umgeht.
Am bewunderswertesten finde ich wenn jemand ganz offen damit umgeht, darüber ganz ungezwungen spricht. Das heißt ja nicht das es dieser Person dann irgendwann egal wird, man wird den verlorenen Menschen immer vermissen, aber ich denke, das es einem den Alltag ein wenig leichter macht.

Ich muss gestehen, das ich mir dieses Thema bei der Planung dieser Thementage wesentlich einfacher vorgestellt habe. Doch je mehr ich mich mit meinen Freundinnen darüber ausgetauscht habe und recherchiert habe, desto mehr habe ich erkannt, wie schwer es tatsächlich ist, eben genau deshalb WEIL es kein Patentrezept gibt. Niemand kann dir raten, wie du dich im "Ernstfall" am besten verhältst. Sondern jeder muss seinen eigenen Weg finden.

Einen Rat, an den ich mich dringend auch selbst halten sollte, da ich da noch zwei offene Baustellen habe, denen ich mich seit Jahren nicht stellen mag, weil sie mir extrem weh tun, hab ich aber vielleicht trotzdem noch: Geht nie im Bösen mit jemandem auseinander, denn auch wenn es hart klingt, man weiß nicht ob man sich noch einmal wiedersieht.



Wie ich nach diesem, für mich aufwühlenden Thema, jetzt einen Bogen spannen soll, zum zweiten Thema das ich mir für heute vorgenommen habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht, denn es könnte auf den/die ein oder andere/n im direkten Kontakt mit der Trauerbewältigung vielleicht ein wenig skurril, ja gar makaber erscheinen.

Im Roman gehören diese beiden Themen jedoch unbedingt zueinander, denn für Tess ist dieser Teil eine entscheidene Ablenkung und ein entscheidener Teil in ihrem Trauerprozess.

Es geht um Beerdigungsrituale, die unter Umständen etwas seltsam anmuten, die sich heute aber tatsächlich immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Tess schmeißt die Schule nachdem sie das mit Jonah erfahren hat und kehrt nach Hause zu ihrem Vater zurück. Dieser ist zeit seines Lebens beruflich wenig erfolgreich gewesen, hat aber vor einiger Zeit entdeckt, das man mit außergewöhnlichen Beerdigungszeremonien Erfolg haben kann. 

Ja, wie gesagt, es klingt skurril. Aber irgendwie auch wieder nicht, wenn man sich erst einmal genauer damit befasst. Denn Tess baut die Idee von der sensationellen Trauerfeier noch aus, als sie auf Betty Lee trifft. Eine ältere Dame, die an Demenz erkrankt ist, die aber noch klar genug ist, um zu wissen, das sie gerne eine Trauerfeier für sich selbst abhalten möchte, so lange sie an dieser noch ganz bewusst teilnehmen kann.

"Das ist mein Ernst, Dad", sagte ich. "Vielleicht wünscht sich Betty Lee eine Feier, bei der sie alle ihre Lieben ein letztes Mal sieht ? Sie ist noch nicht tot, aber auf dem Weg dahin. Sie verliert ihre Persönlichkeit. Das ist auch eine Art zu sterben. Und sie weiß, dass es passiert. Warum sollte sie also nicht die Person feiern, die sie ihr Leben lang gewesen ist, bevor ihr Verstand völlig hin ist ?" 
Seite 134

Generell ist es ja so, das man eine Trauerfeier eher für die Hinterbliebenen abhält, als für den Verstorbenen, dementsprechend zugeknöpft und reserviert ist eine Beerdigung deshalb auch meist. Statt dem Leben zu huldigen, das der Verstorbene vielleicht geführt hat, verlieren wir uns in Tränen und Trauer und sitzen gefühlsbetäubt für eine Stunde in einem Gottesdienst fest, in dem die meisten Worte, die ein Mensch spricht, der den Toten vermutlich gar nicht gekannt hat, an uns vorbeirauschen.

"Was bringt es überhaupt, eine Beerdigung zu feiern, wenn man noch lebt ? Das ist doch total sinnlos."
Ich trat näher zu ihm. "Es ist noch viel sinnloser, ein Begräbnis zu feiern, wenn man tot ist", widersprach ich. 
Seite 134

Vielleicht sollten wir uns für neue Möglichkeiten öffnen. Es muss ja nicht gleich eine Burlesque Party wie im Buch sein oder eine Fußballbestattung wie in England 2013. Man muss auch nicht die Asche des Verstorbenen ins All schießen oder den Toten in einen Sarg betten, der aussieht wie eine Whiskeyflasche. ABER es gibt mittlerweile auch wirklich schöne Alternativen zur normalen Trauerfeier. 

Quelle: pixabay.com
Wald-, Baum-, und Naturbestattungen zum Beispiel. Auch die spielen im Buch tatsächlich eine Rolle, denn dort gibt es ein Unternehmen mit dem Namen "Ruhe im Grünen", das individuelle Trauerfeiern in der Natur anbietet.

So etwas gibt es auch hierzulande mittlerweile und ganz real. Vielleicht habt ihr schon einmal vom >Friedwald< gehört.

Fakt ist, das man sich bei der Gestaltung einer Beerdigung vielleicht wirklich mal von sämtlichen Konventionen lossagen sollte und eine Feier veranstaltet wie sie dem Verstorbenen gefallen würde und die ihm gerecht wird. Ich finde, so skurril die Ideen im Buch auch sind, das das trotzdem ein schöner Gedanke ist.



Wie denkt ihr über diese Themen ? 
Fühlt Euch auch heute wieder unbedingt eingeladen mir Eure Meinung hierzulassen und in den Kommentaren darüber zu diskutieren.

Alles Liebe


Kommentare:

  1. Huhu Ina,

    Trauer ist tatsächlich etwas mit dem jeder Mensch völlig in anders umgeht und wohl auch jeder seinen für sich passenden Weg finden muss.

    Übrigens haben mir diese skurillen Beerdigungen im Buch wahnsinnig gut gefallen, gerade die Burlesque Feier hat mich tatsächlich zu Tränen gerührt ♡

    Ich bekomme jetzt fast Lust das Buch noch mal zu lesen, man würde bestimmt noch viele Sachen entdecken, die einem beim ersten lesen gar nicht sofort aufgefallen sind.

    Ich habe mich beim lesen übrigens gefragt, wieviel davon in Deutschland überhaupt möglich wäre? Ich glaube die Bestimmungen sind hier ja viel strenger, man darf meines Wissens nach nicht einmal die Asche einfach so verstreuen, wobei ich das so eine schöne Idee finde.

    LG Susan

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    1. Huhu Susan,

      ich glaube hier in Deutschland hat man, was die Gestaltung einer Bestattung angeht, nicht wirklich viele Möglichkeiten, weil wir dafür einfach noch viel zu konservativ eingestellt sind. Auch was den Leichnam selbst angeht ist das ja so ne Sache. Wie du schon sagst, man darf die Asche nicht mal irgendwo verstreuen, sondern muss sie eben in einer Urne auf einem Friedhof beisetzen.

      Ich glaube der Friedwald ist als Alternative zum Friedhof schon das höchste Maß der Ausnahmen :(

      Ja, die Burlesque Feier im Buch war wirklich genial. Ich denke auch, das man sich zumindest was den Rahmen der Trauerfeier betrifft ein bisschen öffnen sollte. Schließlich ist es ja eine "Feier" um dem Verstorbenen zu gedenken.

      Und was die Trauer angeht, da stimme ich dir zu. Ein Patentrezept gibt es einfach nicht.

      LG Ina

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  2. Hallo und guten Tag,

    nicht nur der Tod als solches ist mit allerei Papierkram verbunden...nein auch so eine Beerdigung mit ist alleslei Fragen...wie, wer...wo verbunden.

    Ich habe in den letzten Jahren beides erlebt. Urne und Sarg und alles muss ratzfatz entschieden werden...wobei selbst bei einer Urne immer der Sarg dazu gehört, weil der Tote darin verbrannt wird, aber man seine Asche dann erst in die Urne packt.

    Weiter Entscheidung ging dann noch wo normaler Friedhof oder Wald/Baumbestattung mit Pfarrer ohne Geistlichen, lieber mit einem Trauerredner. Oder auch was wird bei der Trauerrede gesagt....Oder möchte man wirklich z.B. über das Meer verstreut werden....auch eine Frage, welcher Sarg, wie soll ausgekleidet sein, welche Kleidung nimmt man für den Toten....oder will man eine öffentliche Aufbewahrung..bis hin zur Frage Trauerfeier ja oder nein und wer darf kommen.

    Es ist einfach viel zu Regeln und all dies schmerzt, finde ich ungemein.

    Da finde ich bleibt wenig Zeit zum wirklichen trauern, dass kommt erst an der Beerdigung oder Wochen später..eine, kleine Sache und plötzlich ist alles da und man heult Rotz und Wasser...

    Ich glaube, deshalb muss man einfach mit einer, durchaus langen Trauerzeit rechnen und jeder muss da alleine durch diese schwere Zeit....es gibt kein Patenrezept.

    LG..Karin..

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