Sonntag, 15. April 2018

[Rezension] Vertrauen und Verrat

- Gebunden -

Autorin: Erin Beaty
Übersetzt von Birgit Schmitz
Verlag: Carlsen

Erscheinungsdatum: 21.März 2018
Originaltitel: The Traitor's Kiss

ISBN-13: 978-3551583833
Seitenzahl: 496 Seiten
Reihe: ja, Band 1

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Mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie noch nie getroffen hat: für Sage der absolute Albtraum, doch Tradition im Reich Demora. Um dem zu entgehen, beginnt Sage eine Lehre bei einer Kupplerin und begleitet zehn junge Damen aus adeligen Familien zum großen Verkupplungsball. Ihre Aufgabe ist es, die Bräute – und die Soldaten, die auf der Reise für ihre Sicherheit sorgen – zu bespitzeln. Denn im Reich braut sich ein Krieg zusammen. Schon bald findet Sage sich zwischen den Fronten wieder. Und sie, die nie heiraten wollte, stolpert geradewegs auf eine große Liebe zu. Doch wem kann sie wirklich trauen?


Vertrauen & Verrat ist eine Geschichte, der ich von Anfang an total skeptisch gegenüber stand, denn schon der erste Satz des Klappentextes war so ein Hinweis in welche Richtung das Ganze gehen könnte und ich wusste, das mir dies nicht gefällt. Ich habe einfach generell ein Problem damit, das man, egal ob realistische Literatur oder Fantasy, Frauen immer verheiraten muss, besonders junge Frauen. Wir leben im 21. Jahrhundert, reden immer über Selbstbestimmung, Frauenquote und Gleichberechtigung. Gleichzeitig werden dann aber Bücher an junge Frauen und Mädchen verkauft, in denen Mädchen verkuppelt werden und zwar mit Männern die sie überhaupt nicht kennen.

Mein persönlicher Dorn im Auge. Nichtsdestotrotz wollte ich dann doch wissen, ob es nicht vielleicht sogar in die andere Richtung gehen und die Protagonistin eine Rebellion anzetteln könnte, die sich gegen ein perfides System stellt. Ich hab es mir also trotz Bedenken notiert und da es mir dann noch von Seiten verschiedener Blogger und Verlagsmitarbeitern, auf deren Meinung ich immer große Stücke halte, schmackhaft gemacht wurde, war ich also neugierig und habe es schließlich gelesen.

Und dabei musste ich recht schnell feststellen, das es sich glücklicherweise in eine komplett andere Richtung entwickelt, als ich im Vorfeld befürchtet habe.

Tatsächlich gestaltet es sich nämlich so, das "die Kupplerin" einen hervorragenden Job macht, meistens jedenfalls. Sie bringt Paare zusammen, natürlich achtet sie dabei auch immer ein bisschen auf gesellschaftliche Rangordnung und Reichtum, doch sie macht ihren Job keineswegs halbherzig. Als man Sage zu ihr schickt, die auf keinen Fall verheiratet werden will, da erkennt sie in der jungen Frau recht schnell ein unglaubliches Potenzial und beschließt ihr eine Stelle als Lehrling anzubieten. Sage nimmt an. Und dann spielt diese Kuppelei plötzlich nur noch eine Nebenrolle, zumindest habe ich es so empfunden.

Sage, die einen wirklich feinen Spürsinn hat und eine unglaublich gute Beobachterin ist, soll gemeinsam mit der Kupplerin die Bräute nach Demoria bringen, wo ein großer Ball stattfinden soll. Dabei werden sie von einem Ableger der Armee eskortiert, denn das Land ist alles andere als sicher. Es braut sich ein Krieg zusammen. Und ehe sichs Sage versieht, ist sie mittendrin, denn auch der Hauptmann der begleitenden Truppe erkennt ungeahntes Potenzial in ihr.

Das sich zwischen den Fronten, zwischen denen sie fortan steht, auch noch ihre eigene Liebesgeschichte zusammenbraut, das ahnt sie zunächst nicht.

Nachdem ich das Buch nun beendet habe, kann ich aus vollster Überzeugung sagen: Es ist genial ! Ein moderner Spionage-Liebes-Fantasyroman der seinesgleichen sucht, der ziemlich gewieft ist und der immer wieder mit überraschenden Wendungen und einer wirklich spannenden Idee aufwartet, die man so nicht allzu oft erlebt.

Ein Kritikpunkt für mich war allerdings, das ich knapp 300 Seiten gebraucht habe, bis ich wirklich hin und weg war. Die Geschichte ist zwar flüssig geschrieben, doch gerade zu Beginn fand ich die Sichtwechsel etwas störend und sie haben auch immer ein wenig Tempo aus der Geschichte genommen. Immer wenn ich dachte: Jetzt wirds so gut, das ich nicht mehr aufhören mag, hat die Autorin zu einem anderen Charakter gewechselt und so fand ich es manchmal ziemlich mühsam meine Muse bei Laune zu halten.
Irgendwann kommt allerdings der Punkt, an dem der Knoten platzt und obwohl ich eine Ahnung hatte, auf was es am Ende hinauslaufen könnte, war ich super überrascht, als sich meine Vermutung bestätigte. Im Nachhinein macht auch der etwas langatmige Start durchaus einen Sinn und ich kann ihn der Autorin voll und ganz verzeihen, weil das Buch am Ende eben einfach für alles entschädigt !!!

Über die Thematik mit der Kupplerei kann ich am Ende ebenfalls hinwegsehen, weil sie im Verlauf eben immer mehr in den Hintergrund rückt und mir als Leserin auch suggeriert wird, das es in Demoria zur Tradition gehört, junge Frauen zu verkuppeln und dies mit deren Einverständnis passiert. Blöd finde ich die generelle Idee allerdings immer noch.

Was hat mir noch gefallen ?
Die Figuren sind großartig ausgearbeitet, nicht nur Sage, die wirklich eine taffe junge Frau ist, die ziemlich genau weiß was sie will, die intelligent ist und ziemlich neugierig, sondern auch Ash, ein Soldat an den sie ihr Herz verliert. Ich persönlich fand ja den Hauptmann Casseck sehr charmant. Aber das nur so am Rande.

Das Ende kam ohne Cliffhanger aus, lässt mich aber dennoch neugierig zurück, weil ich unbedingt wissen will, wie sich die Geschichte weiterhin entwickelt, denn es gibt auf jeden Fall noch jede Menge unbeantwortete Fragen. Bleibt also zu hoffen, das uns der Verlag nicht allzu lange auf die Fortsetzung warten lässt und das diese mich dann genau so überzeugen kann.

Für den Auftaktband gibt es von mir


Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.
 

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