Sonntag, 17. Juni 2018

[Rezension] Never loved before

- Taschenbuch -

Autorin: Monica Murphy
Übersetzt von Barbara Ostrop
Verlag: Heyne

Erscheinungsdatum: 11. Juni 2018
Originaltitel: Never tear us apart

ISBN-13: 978-3453580657
Seitenzahl: 512 Seiten
Reihe: ja, Band 1

Preis: 9,99€

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Ich habe mein Leben für sie riskiert, darf mich aber nicht zu erkennen geben ...

Vor langer Zeit, als ich fünfzehn und eine komplett andere Person war, habe ich einem Mädchen das Leben gerettet. Ich habe nur ein paar Stunden mit ihr verbracht, aber irgendwie entstand eine Verbindung – und seitdem war ich nicht mehr derselbe. Niemand versteht, was wir durchgemacht haben. Niemand weiß, was es bedeutet, wir zu sein. Wir haben überlebt, aber ich fühle mich nicht, als ob ich richtig leben würde – bis jetzt. Acht Jahre später habe ich sie gefunden. Ich will, dass sie zu mir gehört. Aber sie wird mich für immer hassen, wenn sie herausfindet, wer ich wirklich bin.
Ich begrüße es ja immer sehr, wenn sich Autoren in neue Gefilde wagen und Geschichten schreiben, die anders sind als all ihre anderen Romane. Im Fall von NEVER LOVED BEFORE da hätte ich mir allerdings tatsächlich einen kleinen Vorab-Hinweis gewünscht, denn die Thematik die die Autorin hier in den Vordergrund stellt, die ist schon ziemlich starker Tobak und auch wenn sie mich mit den ersten Seiten schon fesseln konnte, war das Buch doch auch ein Trigger, vor dem ich vorher gerne gewarnt gewesen wäre.

Hier also nun meine Warnung: Wenn du vor hast, dieses Buch zu lesen, dann sollte dir bewusst sein, das die Autorin hier Themen wie sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung von Kindern aufs Tableau bringt. Zwar geht sie dabei weniger explizit ins Detail als ich auf den ersten 50 Seiten noch angenommen habe, es ist und bleibt aber ein Trigger, besonders dann, wenn man in seinem Leben vielleicht schon selbst solche Erfahrungen gemacht hat oder auf solche Themen schlicht und einfach sensibel und empfindlich reagiert.

Die Geschichte selbst, abgesehen von den Themen, hat mich stark gefrustet und gegen Ende wurde ich immer zorniger und war wirklich versucht, das Buch, natürlich nur gedanklich, an die "Wand zu klatschen". Eigentlich wollte ich sie deshalb auch erst ein paar Tage sacken lassen, doch der Drang mir alles, was mich gestört hat, von der Seele zu schreiben, der war dann doch mächtiger und so sitze ich nun also hier und versuche meine Gedanken zu sortieren.

SPOILER SIND IM FOLGENDEN NICHT KOMPLETT AUSGESCHLOSSEN.

Kate wurde im Alter von 12 Jahren von einem Serienkiller entführt, missbraucht und vergewaltigt. Dem Tod konnte sie gerade so entrinnen, denn der Sohn ihres Peinigers hat sie im Schuppen entdeckt und sie befreit.
Dieses grauenvolle Erlebnis knüpft ein starkes Band zwischen den beiden, wird zur engen Freundschaft, die aufgrund der ganzen folgenden Umstände ( darauf gehe ich nicht näher ein, um nicht unnötig zu spoilern ) aber recht schnell im Sande verläuft.

Jahre später ist Kate bereit ein TV- Interview zu geben. Will, der sich mittlerweile Ethan nennt, sieht das Interview und wird fortan von dem Wunsch angetrieben, Katie wiederzusehen. Seit dem Vorfall hat er starke Gefühle für sie, doch er weiß, das er sich ihr nicht nähern kann, weil ihre Wunden einfach zu tief sind und sie das Erlebte auch bis heute noch nicht verwunden hat....

Um es kurz zu machen: Die beiden begegnen sich wieder, doch Kate erkennt in Ethan nicht den Will von damals und der macht den fatalen Fehler ihr zu verschweigen, wer er wirklich ist. Die beiden verlieben sich, aber natürlich sind da auf beiden Seiten jede Menge Geheimnisse und Probleme. Kate kann sich nicht öffnen, wie sie sich das vielleicht wünscht, etc.

Und jetzt zu den Punkten die mich an dieser Geschichte so gestört haben:

Angefangen hat alles ziemlich spannend und die ersten 75 bis 100 Seiten habe ich auch noch verschlungen. Die Atmosphäre ist recht erdrückend und düster, bescherte mir ein beklemmendes Gefühl, das zu keiner Zeit verschwunden ist oder nachgelassen hat. Geschuldet ist es Ethan, der mir als Charakter zu keiner Zeit wirklich zugänglich war und bei dem ich immer so einen Hauch von Distanz verspürt habe. Es fällt mir schwer dieses Gefühl richtig zu benennen, aber er war mir zuweilen wirklich unheimlich, denn seine Besessenheit in Bezug auf Katie war in meinen Augen absolut ungesund. Direkt nachdem er dieses Interview sah, fing er an wie ein Irrer zu ermitteln und zu recherchieren, wo Katie ist, was sie macht, mit wem sie in Kontakt steht, etc. Auf mich wirkte er nicht wie ein junger Mann, der sich Sorgen macht, sondern wie ein besessener Stalker. Das spiegelt sich auch in seinem späteren Verhalten wider, nachdem er Katie begegnet. Er ist absolut besitzergreifend und ich finde seine Art sehr fordernd und bestimmend.
Katie dagegen erscheint mir zu fügsam, im Verlauf entwickelt sich das immer mehr in eine Richtung, die ich gar nicht mochte. Sie hat Dinge erlebt, die man in seinem ganzen Leben nie wieder loswird. Sie hatte deshalb auch bisher nie einen Freund obwohl sie mittlerweile 21 ist. Sie lebt lieber für sich allein und lässt die Leute ungern an sich heran. Bei Ethan, zu dem sie sich stark hingezogen fühlt, da ist das plötzlich anders. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, das sie manche Dinge nicht aus freien Stücken tut, sondern das Ethan ihr einredet was sie will.

Dieses Verhalten sorgte im Übrigen auch dafür, das ich für meinen Teil überhaupt keine Emotionen spüren konnte. Das Verhältnis das die beiden zueinander haben ist absolut strange und ja beinahe schon ein bisschen krank. Das hat mich eher erschreckt, als emotional berührt und es hat mich vor allem unglaublich wütend gemacht.

Besonders dann, wenn Monica Murphy Szenen beschreibt, die sie dann mit sexuellen Empfindungen zusammenbringt. Für mich war es an manchen Stellen völlig unpassend, das Ethan da auf dieser Ebene empfindet.
Besonders gegen Ende spitzt sich das zu und da war ich dann wirklich komplett satt, weil sich vor allem Katie ganz anders verhält, als im Rest der Geschichte.

Es tut mir leid, das ich an diesem Buch kein gutes Haar lassen kann, aber wenn man eine Geschichte über Vergewaltigung und das Leben mit dem Erlebten schreibt und daraus eine Liebesgeschichte machen will, dann sollte man darauf achten, das die Entwicklung authentisch vonstatten geht und nicht in eine krankhafte Beziehung driftet, in der ein Protagonist zum Stalker wird und die Protagonistin bedrängt, die dann auch noch denkt, das sie das alles will. NEIN, ein ganz klares NEIN !

Und deshalb gibts von mir leider auch nur


Anmerkung:

Vielleicht findet ihr meine Reaktion überempfindlich und vielleicht findet ihr selbst das Buch ganz toll und es kann Euch auf irgendeine Art und Weise berühren und mitnehmen, aber für mich war es definitv total daneben. Solche Dinge, wie die von mir angesprochenen Punkte, braucht niemand, der das durchlebt hat, was Katie durchlebt hat. Ich kann nicht für alle "Opfer" von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sprechen, aber ich spreche hier für mich. Und für mich geht die Geschichte in die absolut falsche Richtung. :( Sowas will ich kein zweites Mal lesen !
Und ich bin sicher, das dieses Buch die Gemüter spalten wird !


Ich bedanke mich trotzdem recht herzlich beim Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. 

Kommentare:

  1. Ich kann deiner Rezension nur zustimmen! Ich lese das Buch gerade ebenfalls und überlege es abzubrechen, weil ich einfach nur verstört und angewidert bin. Sorry aber bei dieser Thematik eine solche Liebesgeschichte zu entwickeln, empfinde ich als beleidigend. Ethan's Verhalten ist mehr als nur ungesund und seine Fokussierung, ja schon Besessenheit von Katie ist erschreckend. Ich war anfangs wirklich begeistert, weil die Autorin sich traut ein solches Thema/Tabu anzuschneiden, aber leider entwickelt sich die Geschichte immer mehr in ein richtige No-Go! Ich finde deine Rezi deshalb toll und kann dir nur zustimmen.
    Viele Grüße
    Katie

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  2. Du bist mit deiner Meinung nicht alleine. Seit einer Woche kämpfe Ich mit dem Buch und habe gerade mal die Hälfte geschafft. Momentan verspüre Ich keinen Drang es weiter zu lesen. Werde es erstmal zur Seite packen.

    LG Libellus

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  3. Liebe Ina,

    danke für deine ehrliche Rezension. Jetzt weiß ich, dass ich das Buch nicht lesen werde! Es stand eigentlich ganz weit oben auf meiner WuLi. Aber wie du schon sagtest: Nein Danke!

    Liebste Grüße
    Sonja

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  4. Hi, es klingt ziemlich ungesund und das, was du an Handlung beschreibst...nun ja, ich sehe, ehrlich gesagt nicht, wie da eine gesunde Liebesbeziehung entstehen soll. Irgendwie klingt es eher so, als wäre Ethan selbst eher fast krankhaft besessen. Ich finde nicht, dass du da übertrieben reagierst, ich denke im Gegenteil, dass manches Mal zum Wohle einer Story gerne mal vergessen wird, dass die Aussage "aber ich liebe sie doch" nicht alles an Taten rechtfertigt. Ein schwieriges Thema sollte sensibel behandelt und nicht romantisch verklärt werden.
    Liebe Grüße,
    Irina

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  5. Hey Ina,

    ich habe letztes Jahr schon Fair Game von der Autorin abgebrochen und ich befürchte, dass es mir mit diesem Buch noch viel, viel schlechter gehen wird.
    Dank dir, weiß ich, dass ich guten Gewissens an dem Buch vorbei laufen kann.

    Schade, denn die Thematik klingt interessant, krass, ja, aber es könnte eine bewegende Geschichte sein. Umso schlimmer, wenn die Emotionen gar nicht wirklich ankommen.

    Liebe Grüße
    Vanny

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  6. Ihr Lieben,

    vielen Dank für Eure Kommentare. Ich kann jedem immer nur empfehlen, sich ein eigenes Bild vom Buch zu machen, denn jeder hat eine andere Wahrnehmung und ein anderes Empfinden in Bezug auf die verschiedensten Themen. Für mich war das Buch halt wirklich einfach ein Trigger und auch irgendwie ein bisschen ein Schlag ins Gesicht, weil ich finde, das hier ein wichtiges Thema nicht ernst genug genommen wurde. Aber wie gesagt, persönliches Empfinden. Tatsächlich bin ich im Internet mittlerweile auch auf einige fünf Sterne Rezensionen gestoßen ! :-/

    LG Ina

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