Montag, 31. Dezember 2018

[Rezension | Werbung] Jetzt ist alles, was wir haben

- Gebunden -

Autorin: Amy Giles
Übersetzt von Isabel Abedi
Verlag: cbj

Erscheinungsdatum: 15. Oktober 2018
Originaltitel: Now is Everything

ISBN-13: 978-3570164877
Seitenzahl: 400 Seiten
Reihe: nein

Preis: 17,00€

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Sei die Beste. Und wenn nötig, sei unsichtbar.

Mit diesem Credo hat Hadley McCauley in ihrer Familie gelernt zu überleben. Perfekte Schülerin, perfekte Sportlerin, perfekte Tochter: Nur so kann sie ihren Vater bei Laune halten. Denn hinter der makellosen Fassade der McCauleys verbirgt sich ein hässliches Geheimnis. Um ihre kleine Schwester Lila vor dem unberechenbaren Vater zu schützen, tut Hadley alles. Doch dann tritt Charlie Simmons in ihr Leben und zwischen den beiden entwickelt sich eine verzweifelt-intensive Beziehung. Unterdessen eskaliert daheim die Gewalt, und Hadleys Strategie, nichts preiszugeben, greift nicht mehr. Doch auch als es zur Katastrophe kommt, schweigt sie ...


Hadley McCauley ist all das, was sich vermutlich jeder weibliche Teenager wünscht: Sie ist reich, sie lebt in einem schicken Haus, sie ist Kapitänin des Lacrosse-Teams und eine der besten Schülerinnen in der Highschool.

Was niemand weiß: Hinter der Fassade lebt eine verängstigte junge Frau, die von ihrem Vater tyrannisiert, emotional missbraucht und tagtäglich drangsaliert wird. Mental wie körperlich. Ist sie nicht immer die Beste und gibt alles, egal wie sehr es ihr widerstrebt oder missfällt, egal welche Schmerzen sie dabei leidet und ob sie darauf überhaupt Lust hat, dann ist das in den Augen ihres Vaters absolutes Versagen, das bestraft wird. 

Als Hadley Charlie kennenlernt und sich ihn verliebt, da erfährt sie zum ersten Mal Geborgenheit und Nähe und sie beginnt sich zu öffnen. Sie spricht über ihre Ängste, darüber wie sie versucht ihre kleine Schwester Lila zu beschützen. 

Zuhause wird es unterdessen immer schlimmer, bis schließlich alles aus dem Ruder läuft...

Ich gebe zu, das ich dieses Debüt, obwohl es mir beim Durchsehen der Neuerscheinungen immer wieder aufgefallen ist, nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Erst nachdem ich einige, durchweg positive, Bloggerstimmen dazu vernommen habe und mir die Thematik der Geschichte bewusst wurde, wurde mein Interesse entfacht und ich wusste, das ich es unbedingt lesen muss.

Mittlerweile ist wohl vielen Lesern bekannt, das ich gerne zu Büchern greife, die eine Thematik behandeln, die leider oft traurige Realität ist und der die Gesellschaft zu wenig Beachtung schenkt. Ich weiß nicht woher diese Faszination für Geschichten dieser Art kommt, aber ich schiebe es gerne darauf, das ich in meinem Leben selbst schon schlechte Erfahrungen gemacht habe und daher einfach einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelt habe. Wenn es in meiner Macht stünde, dann würde ich jeden einzelnen Menschen vor Unheil bewahren. Das war schon immer so. Das aber nur so am Rande, zurück zur Geschichte.

Amy Giles hat hier ein unfassbar gutes Debüt hingelegt !!! Sie hat mich nicht nur mit der Thematik und der Umsetzung dieser komplett gekriegt, sondern mit dem Gesamtpaket.

Hadley ist eine so liebenswerte und bemerkenswert taffe Protagonistin, die ich sofort in mein Herz geschlossen habe und die ich am liebsten aus ihrem Martyrium befreit hätte. Sie ist so unglaublich mutig und selbstlos, beschützt ihre kleine Schwester vor dem tyrannischen Vater, obwohl sie weiß, das sie dadurch selbst immer mehr einstecken und ertragen muss. Als sie Charlie kennenlernt, in den sie schon lange heimlich verschossen ist, da erfährt sie endlich was es heißt geliebt zu werden. Die beiden führen ziemlich schnell eine unglaublich intensive Beziehung. Doch wo ich bei solch einer schnellen Entwicklung sonst ja eher den Kopf schüttel, war ich hier absolut gefangen und diese Nähe zwischen den beiden wirkte absolut authentisch und vor allem nachvollziehbar. Charlie wird zu Hadleys Anker und wird, außer Lila, zum Grund, der sie am Leben hält. Doch auch Charlie kann sie nicht vor weiteren Ausrastern des Vaters bewahren und so kommt es irgendwann zur absoluten Katastrophe.

Amy Giles erzählt die Geschichte unglaublich intensiv und das obwohl sie ganz ohne großes Drama und unnützes Tamtam auskommt. Es ist eine Geschichte in der sich die Spannung unterschwellig entwickelt und die Atmosphäre mit jeder Seite düsterer wird. Hadleys Umfeld ist aufmerksam, weiß, das in diesem Haushalt etwas gehörig schiefläuft und doch sind sie allesamt machtlos. Man kann diese Ohnmacht regelrecht spüren. Und leider spiegelt das die Realität ein gutes Stück weit wider. Wo man nichts sieht, wird von Seiten unseres Rechtssystems oft nicht oder aber zu spät gehandelt.

Ich weiß gar nicht, wie ich meine Gefühle hier so richtig auf den Punkt bringen soll, deshalb kann ich nur sagen: Bitte bitte, lest dieses Buch !
Befasst Euch mit der Thematik von emotionalem Missbrauch und häuslicher Gewalt. Schaut nicht weg, seid offen und aufmerksam, wenn euch etwas seltsam vorkommt. Alleine in Deutschland gab es im Jahr 2016 4202 Fälle von "körperlichem" Kindesmissbrauch, die Dunkelziffer ist noch viel höher und emotionaler Missbrauch ist da noch nicht mal mit eingeschlossen. Das ist erschreckend und es ist vor allem allgegenwärtig.

Amy Giles hat mich mit diesem Buch noch mehr für dieses Thema sensibilisiert und mich emotional, mit der kompletten Bandbreite an Gefühlen, berührt.

Es ist, wenn auch auf der Zielgeraden in Richtung neues Jahr, eines der besten und wichtigsten Jugendbücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe !!!



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1 Kommentar:

  1. Hallo Ina!
    Ich war genauso begeistert wie du von dem Buch und der Thematik und habe es verschlungen. Auch für mich ist "Jetzt ist alles, was wir haben" ein Jahreshighlight und ich möchte noch viel mehr Bücher lesen, die sich nicht davor scheuen, auch unangenehme Themen anzusprechen. Das ist einfach so so wichtig!

    Komm gut ins neue Jahr,
    Jessy

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