Mittwoch, 17. Juli 2019

[Bakery-Kaffeekränzchen] SPEZIAL - In der Nacht hör' ich die Sterne



Heute habe ich mal ein Spezial für Euch, denn es geht um den Roman IN DER NACHT HÖR' ICH DIE STERNE von Paola Peretti.

Und da ich keine klassische Rezension geschrieben habe, sondern irgendwie eine Mischung aus Rezension und Bericht vom Treffen mit der Autorin auf der Frankfurter Buchmesse 2018, dachte ich, dass passt sich so ganz gut.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen !

Einige Monate sind bereits vergangen, seit ich dieses kleine, dünne und doch so große und so gewaltige Buch gelesen und seine Erzählerin persönlich in Frankfurt getroffen habe.

Diese Begegnung beschert mir auch heute immer noch eine Gänsehaut, weil sie so unglaublich berührend und besonders war und ich weiß wirklich nicht, wie ich all die Gefühle, die ich sowohl mit dem Buch als auch mit der Autorin in Verbindung bringe, auch nur im Ansatz in Worte fassen soll.

Als mich das Buch ganz unverhofft am Ende des letzten Sommers, inklusive kleiner Duftkerze und Kirschblütenzweig erreichte, da war ich ein bisschen hin und hergerissen, nichtsahnend, was mich in diesem, mit knapp über 200 Seiten doch recht schmalen Büchlein erwarten würde. Das Cover sprach mich nicht sofort an und dem Titel nach schloss ich vorschnell auf eine zarte, vielleicht dramatische Liebesgeschichte.

Der Klappentext deckte diesen Irrtum dann recht schnell auf und die Neugier wurde geweckt, denn "In der Nacht hör' ich die Sterne" ist eine Ode an das Leben, eine Geschichte über Mut und Hoffnung, aber auch über Verlust. Vor allem aber ist es eine intensive Geschichte, die berührt, die zu Herzen geht und in der die Autorin ihr eigenes Schicksal verarbeitet hat.

Mafalda ist 9 Jahre alt. Jeden Tag wenn ihr Vater sie zur Schule bringt, dann zählt sie ab einem bestimmten Punkt, wie viele Schritte es bis zum Kirschbaum sind, der sie an ihre Großmutter erinnert und an dem ihre Freundin, die Hausmeisterin Estella auf sie wartet. Jeden Tag werden es weniger Schritte und Mafalda weiß, dass sie den Kirschbaum bald gar nicht mehr sehen wird, denn Mafalda leidet an einer sehr seltenen Augenkrankheit, die sie von Tag zu Tag mehr erblinden lässt, bis es irgendwann ganz dunkel um sie herum sein wird.

Dieses Schicksal verbindet sie mit ihrer Schöpferin, denn auch Paola Peretti, eine sehr junge und lebensfrohe Frau, leidet an Morbus Stargardt.


Wie geht man als junger Mensch mit einer solchen Diagnose um, fragt man sich da. Es ist nicht einfach, aber Paola Peretti hat sich mit ihrem Schicksal arrangiert und tatsächlich, so erzählte sie bei unserem Treffen, war der Moment in dem sie ihr Schicksal akzeptierte, auch der Moment in dem sie darüber schreiben wollte. Sie wählte die Sichtweise eines Kindes, da Kinder auf die Welt einen ganz anderen Blick haben als Erwachsene. Während wir alles zerreden und durchdenken, da nehmen Kinder ihr Schicksal viel leichter an und machen das Beste aus ihrer Situation. So wie Mafalda. Sie nimmt alles um sich herum auf, so lange sie kann, schließt neue Freundschaften und schmiedet einen ziemlich verrückten Plan, zu dem sie der Rote Baron, aus dem Lieblingsbuch ihres Vaters inspiriert. Der Kirschbaum spielt dabei eine sehr große Rolle.

Was mir besonders imponiert hat, ist, dass Paola Peretti und auch Mafalda nie ihren Mut verlieren. Sie wissen, das es keine Heilung geben wird und obwohl sie beide manchmal etwas verloren und überfordert wirken, blicken sie doch auch nach vorne.

Paola Peretti unterrichtet beispielsweise Flüchtlingskinder und schreibt gerade an ihrem nächsten Roman, in dem ein Roma-Junge die Hauptrolle spielt. Es wird ein Buch über die erste Liebe, aber auch über den Zwiespalt darüber, woher man kommt und wer man sein möchte. Welche Möglichkeiten hast du mit Wurzeln, denen auch heute noch immer mit Vorurteilen begegnet wird, obwohl wir bereits in einer so offenen und modernen Welt leben. Ein schwieriges, sensibles und brandaktuelles Thema, auf dessen Umsetzung ich mich schon sehr freue.
Bildquelle: dtv
Generell hoffe ich sehr, das wir noch ganz viel von Paola Peretti zu lesen bekommen, denn sie erzählt sehr einfühlsam. Ihr Schreibstil ist wortgewaltig und fast schon poetisch und sie versteht es ernste Thematiken, von denen es in diesem kleinen Büchlein so wahnsinnig viele gibt, in etwas Lebensbejahendes zu verwandeln.

Ein unglaubliches Buch und eine großartige, bemerkenswerte junge Frau ! Ich kann und muss Euch "In der Nacht hör' ich die Sterne" nur unbedingt ans Herz legen !

Vielen Dank an den dtv-Verlag, insbesondere an Stefanie Broller, die dieses einmalige Meet & Greet ermöglicht hat.




- Gebunden -

Autorin: Paola Peretti
Übersetzt von Christiane Burkhardt
Verlag: dtv

Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2018
Originaltitel: La distanza tra me e il ciliego

ISBN-13: 978-3423289672
Seitenzahl: 224 Seiten
Reihe: nein

Preis: 18,00€
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140 Schritte bis zur Nacht

140 Schritte: So viele trennen Mafalda noch von dem Tag, an dem es vollkommen dunkel um sie herum sein wird. Als das Mädchen vor drei Jahren erfuhr, dass mit seinen Augen etwas nicht stimmt, flüchtete es auf den Kirschbaum im Schulhof. Dank der neuen Hausmeisterin fand es wieder zurück auf den Boden der Realität. Seitdem wird Mafalda von Estella morgens mit einem Pfiff begrüßt, sobald sie in die Straße zur Schule einbiegt. Anfangs kann sie von dort aus den Kirschbaum noch sehen. Doch mit jeder Woche werden es weniger Schritte. Tapfer geht sie ihrem Schicksal entgegen − unmerklich geleitet von Estella, die ihr zeigt, dass das Wesentliche im Leben für die Augen unsichtbar ist.

Das Buch bekommt von mir übrigens

Kommentare:

  1. Hallo Ina,

    das Buch hat einen ernsten Hintergrund und wie man mit dieser Diagnose lebensbejahend leben kann, ist eine echte Leistung. Die junge Frau scheint eine bemerkenswerte und starke Frau zu sein, das wird mir beim Lesen deines Posts sofort klar. Solche Treffen zeigen die Person hinter dem Buch und das ist manchmal das Entscheidende.

    Auf den Fotos habe ich übrigens auch gleich ein paar bekannte Gesichter gefunden. ;-)

    Liebe Grüße
    Barbara

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  2. Hallo Ina,

    ziemlich harte Story.....nicht unbedingt das was ich täglich lesen mag.

    Aber wer sowas mag und gerne liest....ist es sicherlich eine, interessante Geschichte. Weil jeder schließlich anders mit solch einem Schicksal umgeht....

    LG..Karin..

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