Mittwoch, 1. April 2020

[Rezension] Die Farbe von Milch

- Gebunden -

Autorin: Nell Leyshon
Übersetzt von Wibke Kuhn
Verlag: Eisele

Erscheinungsdatum: 22. September 2017

ISBN-13: 978-3961610006
Seitenzahl: 208 Seiten
Reihe: nein

Preis: 18,00€
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Mein Name ist Mary. Mein Haar hat die Farbe von Milch. Und dies ist meine Geschichte. 

Mary ist harte Arbeit gewöhnt. Sie kennt es nicht anders, denn ihr Leben auf dem Bauernhof der Eltern verläuft karg und entbehrungsreich. Doch dann ändert sich alles. Als sie fünfzehn wird, zieht Mary in den Haushalt des örtlichen Dorfpfarrers, um dessen Ehefrau zu pflegen und ihr Gesellschaft zu leisten – einer zarten, mitfühlenden Kranken. Bei ihr erfährt sie erstmals Wohlwollen und Anteilnahme. Mary eröffnet sich eine neue Welt. In ihrer einfachen, unverblümten Sprache erzählt sie, wie ihr Schicksal eine dramatische Wendung nimmt, als die Pfarrersfrau stirbt und sie plötzlich mit dem Hausherrn alleine zurückbleibt.
Die besten Bücher, sind immer jene, die man ohne große Erwartungen zur Hand nimmt und die dann auf ganzer Linie überraschen und vor allem überzeugen können.

So erging es mir vor zwei Tagen mit DIE FARBE VON MILCH. Das Buch stand sehr lange auf der Wunschliste, weil es viele Buchmenschen empfohlen und gelobt haben, auf deren Meinung ich einfach IMMER vertraue.

Ich wusste vorab nur grob worum es geht, habe aber niemals mit einer so gewaltigen Geschichte gerechnet oder gar damit, wie sehr mich dieses kleine, mit knapp über 200 Seiten doch recht dünne Büchlein, berühren und fesseln würde.

In DIE FARBE VON MILCH erzählt die 15jährige Mary ihre Erlebnisse im Jahr 1830. Sie wächst mit drei älteren Schwestern auf einem englischen Bauernhof auf, auf dem es eigentlich keine Freude gibt. Der Vater ist ein Tyrann, der die Töchter von morgens bis abends zur Arbeit zwingt, dem beim kleinsten Fehler der Mädchen die Faust ausrutscht und der sie ganz deutlich in jeder Minute ihres Lebens spüren lässt, dass sie keine Söhne sind. Die Mutter nimmt das alles teilnahmslos zur Kenntnis.

Als die Frau des Pfarrers erkrankt, schickt der Vater Mary in dessen Haushalt, um sich um die kranke Frau zu kümmern.

Und das ist eigentlich auch schon der Kern der Geschichte, die aufgebaut ist, wie ein Tagebuch. Immer wieder erklärt Mary darin, dass dies hier ihre Geschichte ist, die sie mit ihren eigenen Händen geschrieben hat. Jeder Buchstabe sei ausbuchstabiert.

Warum sie dies immer wieder erwähnt, wird einem recht schnell klar. Mary hat keinerlei Bildung genossen, sie kann weder schreiben noch lesen und erlernt diese Dinge erst im Lauf der Geschichte, die sie rückblickend in ganz schlichtem Ton und ohne Interpunktion erzählt.

Zunächst fand ich den Schreibstil dadurch etwas gewöhnungsbedürftig, habe mich dann aber schnell daran gewöhnt und war voll und ganz in Marys Geschichte eingetaucht.

Sie war eine tolle Protagonistin, mit scharfem Verstand und dem Herz auf der Zunge. Sie spricht aus, was immer sie denkt, ohne sich um Benimmregeln zu scheren. Ich mochte sie sehr und es tat mir oft leid, dass es das Leben immer wieder so schlecht mit ihr meinte. Obwohl sie das selbst vielleicht nicht zwingend so sah. Zumindest nicht in Bezug auf ihre Familie, denn obwohl sie zuhause nie gut behandelt wurde, sehnt sich Mary nach ihren Schwestern und dem Hof und kehrt auch immer wieder dorthin zurück.

Es ist eine bewegende Geschichte und keine besonders "schöne", aber eine, die so unglaublich gut geschrieben ist, die vielleicht auch aufrüttelt, weil sie Themen enthält, die auch heute noch immer nicht Ernst genommen werden.

Ganz ganz großartiges Buch !


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